Wiederverheiratet: die Oster-Botschaft und ihre Folgen

Der Bischof von Passau, Stefan Oster, hat kürzlich auf seinem Blog und auch als Facebook-Posting einen Artikel veröffentlicht, der mich zuerst irritiert hat. Dann aber hat er zu einem sehr spannenden Nachdenk- und Diskussionsprozess geführt.

Hier der Link zu Bischof Osters Artikel: https://stefan-oster.de/geschieden-und-wieder-verheiratet-ein-sehr-persoenliches-zeugnis-ueber-einen-beschwerlichen-weg-in-der-kirche/

Für mich war irritierend/frappierend, dass der Bischof es umkommentiert ließ, dass die betreffende Frau für sich zum Schluss gekommen war, auf das Sakrament der Eucharistie, also die Kommunion, zu verzichten.

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In der Diskussion ging es dann um alles mögliche – natürlich darum, dass Hierarchievertreter wie der Bischof nur Glaubensvollzugsbeamte wären etc. etc., aber auch darum, dass es eben mal so wäre, dass man sich dann der Sexualität zu enthalten habe.

Dann war auch noch die Frage: warum lässt sich ein Bischof darauf ein, diskutierbar zu werden – und warum diskutieren die Menschen seine Meinung wie die eines ganz normalen Gläubigen? Und die Antwort auf diese Frage ist ja nur im ersten Hinsehen banal, glaube ich (vor allem nach einer langen und sehr interessanten Diskussion mit meiner Frau dazu).

Ich wurde dann gefragt, was ICH eigentlich zu der Situation denke – und hier ist meine Antwort:

1) Die verbreitete Lehre der Amtskirche ist, dass es drei Möglichkeiten gibt, um da raus zu kommen: a) die sogenannte Josefs-Ehe – also zusammenleben wie Bruder und Schwester. b) die Annullierung der bestehenden/vorherigen Ehe. Oder c) die Wiederaufnahme der ersten Ehe.
Papst Franziskus hat auf jeden Fall den zweiten Weg – Annullierung – wesentlich vereinfacht. Wahrscheinlich wird es, wenn man genau genug nachforscht und richtig fragt, immer möglich sein, eine Ehe annullieren zu lassen.

Aber was tun, wenn man das zB wegen Kindern nicht will? Oder wenn man im Tiefsten weiß: man hat das alles wirklich so gemeint und verstanden, als man kirchlich geheiratet hat – aber dann ist etwas passiert?

Für mich persönlich ist es dann immer noch ein riesiger Unterschied, ob man selber gegangen ist oder ob man raus geworfen wurde. Den Unterschied macht die Amtskirche offenbar nicht, weil ihn auch Jesus offenbar nicht macht. Schwierige Sache und da weiß ich auch keine Antwort.

Und dann gibt es den vierten Weg, den im übrigen schon Benedikt XVI. angedeutet hat: dass es in Einzelfällen unter der Begleitung eines erfahrenen Seelsorgers möglich ist, wieder in den „Stand der Gnade“ zu gelangen.

Die Diözese Rom (also dort, wo der Papst Bischof ist) hat da erst vor wenigen Tagen einen Schritt gesetzt: http://religion.orf.at/stories/2818664/

Hier entscheidende Passagen daraus:
„Eine Zulassung zu dem Sakrament soll in der Diözese Rom dann möglich sein, wenn eine Nichtigkeitserklärung der ersten Ehe durch ein kirchliches Gericht nicht möglich ist. Dies ist zuvor durch das Gericht zu klären.

Der zuständige Pfarrer soll die betreffenden Paare nach dem Willen Vallinis zunächst dazu ermutigen, die Gültigkeit ihrer Ehe von einem Gericht klären zu lassen. Sollte sich ein Prozess als undurchführbar erweisen, sei die seelsorgerische Initiative des Pfarrers nötig. Sie müsse dem Grundsatz folgen, dass die Person vor dem Gesetz komme.

Hierbei müsse der Priester jeden Einzelfall sorgfältig prüfen und die jeweilige Situationen unterscheiden. Hierzu seien regelmäßige Gespräche mit den Betroffenen nötig, um sich der „Reife des Gewissens“ und ihrer Reue zu vergewissern.“
Und ich glaube, das ist ein guter Weg.

Und ich glaube, es wird auf diesem Weg unterschätzt, dass es auch um das Sakrament der Versöhnung geht – nur ist das nicht so öffentlichkeitswirksam!

Ergänzung: was nun, wenn der Papst und der Bischof hier unterschiedlich argumentieren sollten?
Die Frage scheint banal, ist es aber ganz und gar nicht, wie mir gestern in einem längeren Gespräch zu dem Thema mit meiner Frau klar geworden ist. Denn in der Hierarchie der Kirche schulden wir BEIDEN Gehorsam und zwar nicht aus Weil-das-halt-so-ist-Gründen, sondern weil BEIDE vom Heiligen Geist durchdrungen und beauftragt sind.

Oder ist UNSER Gehorsam gar nicht dem Papst gegenüber, sondern dem Bischof unserer Heimatdiözese? Oder unserem Pfarrer?

„Manche nennen das Gott“

„Wir alle, Konsumenten, Zwangsgestörte und unbewusst Handelnde gleichermaßen, sollten keine Zeit und keine Verehrung mehr auf Götter verschwenden, die uns nicht retten können. Wir sind geschaffen, um die Luft zu atmen, die uns immer umgibt, uns nährt und erfüllt. Manche nennen das Gott.“
Richard Rohr

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Schau dir in die Augen

Manchmal ist es sehr wichtig, sich selber in die Augen zu schauen. Die Tiefe zu sehen und das andere, das unter der Oberfläche.

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32 Grad, nach der Dusche: die Rose hält

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What a difference two days make

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Erblüht über Nacht

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Dornbusch 2.0, sozusagen @ Haus der Stille, Steiermark, Österreich

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Herbst.

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Gestern im Waldviertel

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Sportförderung neu, ja klar – aber wie?

Eine Akkreditierung ist noch keine Medaille. Gerade Doppler/Horst zeigten das mit ihrem unnötigen Ausscheiden in der Vorrunde.

Gestern im Ö-1-Abendjournal: diesmal gleich ZWEI Wasserstandsmeldungen von den Olympischen Spielen, beide haben mit Erfolg nur von der Maschek-Seite zu tun.

Meldung 1: die Wildwasserdoppelweltmeisterin Corinna Kuhnle hat aus ihrer Topfavoritenstellung nichts gemacht und landet am Ende nur auf Platz 8.

Meldung 2: Sportminister Norbert Darabos platzt der Kragen und er nimmt das bislang noch medaillenlose Abschneiden der österreichischen Auswahl zum Anlass, eine völlige Neuordnung der Sportförderung anzukündigen.

Interessant der Nachsatz des Radiomoderators: Die Darabos-Meldung hat mit dem Kuhnle-Flop nichts zu tun, das Interview mit ihm wurde bereits vorher aufgenommen.

Ich sage: Hat sie doch.

Denn Kuhnle (die übrigens schon im Vorlauf alles andere als auf Medaille gepolt gewirkt hat, das Semifinale hab ich nicht gesehen) sagte im Interview sinngemäß: „Was soll ich jetzt machen? Es war ein Wettkampf wie jeder andere – manche gewinnt man, manche verliert man.“

Nein, liebe Frau Kuhnle, war es nicht!

Mag schon sein, dass man sich so etwas vor dem Wettkampf einredet, um ruhig zu bleiben. Aber es stimmt einfach nicht und da liegt schon ein großer Teil des Problems. Erfolg bei den Olympischen Spielen hat man (mit ganz wenigen Ausnahmen) nur, wenn man der Bedeutung dieses Ereignisses entsprechend agiert.

Für US-Amerikaner etwa und auch für Australier stehen Olympische Spiele so himmelweit über allem anderen, dass man es kaum wiedergeben kann. Mein Cousin Paul etwa hat (im Gewichtheben) für die USA an mehreren Weltmeisterschaften teilgenommen und einige Top-Ten-Plätze belegt – aber das einzige, was die Medien tatsächlich interessierte, war seine Qualifikation und Berufung für das US-Olympiateam in Barcelona 1992 – als Ersatzmann!

Wenn Norbert Darabos jetzt völlig zu Recht über eine nötige Neuordnung der Sportförderung spricht und sich von der berühmten „Gießkanne“ verabschieden will, stellt sich natürlich die Frage: Was ist die Alternative?

Der Minister möchte gerne „Sportarten definieren, in denen man Erfolge auch einfahren kann, wo man auch langfristig planen kann.“

Ich sag mal: bei der Auswahl kündigen sich etliche Teufel in vielen Details an.

Es werden sich Fragen stellen wie: keine Förderung mehr in richtigen Weltsportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen, weil dort Olympiamedaillen am schwersten PLANBAR zu erringen sein MÜSSEN? Denn die Materialschlacht gegen die Sportgroßmächte ist PLANBAR kaum zu gewinnen.

Ich glaube, man kommt mit zwei Ansätzen weiter:

1. Absolutes Primat von Oympischen Erfolgen. Dazu braucht man eine Erfolgsfaktorenanalyse der bisherigen Ö-Olympiaerfolge quer über alle Sportarten (auch Winter!) und auch eine (nicht übertriebene, aber doch) Beschäftigung mit Systemen anderer Nationen. Daraus entsteht dann eine „Matrix“ und im Idealfall Expertengruppe, die Olympiaprojekte einzelner Sportarten bzw. deren Vertreter einstuft.

2. Mit diesem Konzept Versuch der Erhöhung der Sportförderung in Österreich – und zwar, indem man private Mittel einbezieht, die aber dezidiert ganz klar abgesteckten Olympiaprojekten zugute kommen – samt aller Möglichkeiten der Vermarktung vor und nach den Spielen.

Mir ist schon bewusst, dass man das leicht so vollmundig hinschreiben kann und dass so ein Blogbeitrag ein bissl ein kurzer Ansatz dafür ist. Ich glaub trotzdem, dass es funktioniert. Kate Allen, Markus Rogan, Roman Hagara, Benjamin Raich, Thomas Morgenstern, Felix Gottwald, natürlich Hermann Maier & Co.: mit diesen zusammengefassten Vorbildern und deren Knowhow geht garantiert mehr als jetzt.

Denn Olympia ist das Wichtigste. Und kein Wettkampf wie jeder andere.