„Manche nennen das Gott“

„Wir alle, Konsumenten, Zwangsgestörte und unbewusst Handelnde gleichermaßen, sollten keine Zeit und keine Verehrung mehr auf Götter verschwenden, die uns nicht retten können. Wir sind geschaffen, um die Luft zu atmen, die uns immer umgibt, uns nährt und erfüllt. Manche nennen das Gott.“
Richard Rohr

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Aber auch SO wahr!!

„Wer seine Vorstellung vom Glück mit dem eigenen Leben bezahlt, ist mit dem Begräbnis seiner selbst beschäftigt – oder lebt von dem, was andere nicht zum Leben kommen lässt.
Mit dem eigenen Kopf durch eine Welt zu gehen, in der es andere freie Köpfe gibt – ist das kein Glück?“

(Peter Eicher auf facebook)

Welche Antwort? Und wie verbindlich?

Papst Franziskus hat im noch nicht einmal vollen ersten Jahr seines Pontifikats viel geschrieben und gesprochen – teilweise wird es fast zu viel, um es bewältigen zu können.

Manche Sätze, Absätze treffen aber noch mehr als andere, weil sie so wahr, so einfach sind und einen vor die entscheidenden Fragen stellen – zum Beispiel dieser hier aus „Evangelia Gaudium“:

„Die Ethik wird gewöhnlich mit einer gewissen spöttischen Verachtung betrachtet. Sie wird als kontraproduktiv und zu menschlich angesehen, weil sie das Geld und die Macht relativiert. Man empfindet sie als Bedrohung, denn sie verurteilt die Manipulierung und die Degradierung der Person. Schließlich verweist die Ethik auf einen Gott, der eine verbindliche Antwort erwartet, die außerhalb der Kategorien des Marktes steht.“

Welche Antwort geben wir? Und wie verbindlich ist sie? Zeit, darüber nachzudenken.

Und sich die Zeit dafür zu nehmen.

Warum Atheisten Kirchen brauchen

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt. Ich will zu leuchtenden Kirchenfenstern hinaufsehen und mich blenden lassen von der Welt der unirdischen Farben. Ich brauche ihren Glanz. Ich brauche ihn gegen die schmutzige Einheitsfarbe der Uniformen. Ich will mich einhüllen lassen von der herben Kühle der Kirche. Ich brauche ihr gebieterisches Schweigen. Ich brauche es gegen das geistlose Gebrüll des Kasernenhofs und das geistlose Geschwätz der Mitläufer. Ich will den rauschenden Klang der Orgel hören, diese Überschwemmung von überirdischen Tönen. Ich brauche ihn gegen die schrille Lächerlichkeit der Marschmusik. Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen. Ich will die mächtigen Worte der Bibel lesen. Ich brauche die unwirkliche Kraft ihrer Poesie. Ich brauche sie gegen die Verwahrlosung der Sprache und die Diktatur der Parolen. Eine Welt ohne diese Dinge wäre eine Welt, in der ich nicht leben möchte.“

Das sagt der junge und atheistische Held Amadeu de Prado in „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier

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Und besser kann man es nicht erklären.

Der eigene Schatten – Zitat zum Tag

„Man muss wohl vor dem anderen Menschen so weit zurücktreten, dass der eigene Schatten nicht mehr ins Bild fällt. Erst dann kann man dieses Bild liebevoll betrachten.“

Heimito von Doderer

Neu muss sein – Zitat zum Tag

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Albert Einstein

Abtreibung für die Religion?

Das „profil“ vom 27.5.2012 widmete seine >> Coverstory den „neuen Atheisten“. Eine mittel interessante Geschichte – SEHR interessant aber ist ein Leserbrief in der heutigen Ausgabe, eine Woche danach.

Der Physiker Dominik Zoehrer schreibt da: „Die philosophische Frage nach dem Beweis der Gottesexistenz wurde durch Immanuel Kant endgültig mit einem Unentschieden erledigt. Man kann keine vernünftigen Aussagen treffen über etwas, das erstens außerhalb unserer Sinne liegt und zweitens unsere Vernunft transzendiert.“

Den Ansatz der neuen, nach seinen Worten missionarisch wissenschaftsgläubigen Autoren Richard Dawkins & Co. aber charakterisiert er mit diesem Satz:

„Die Nichtexistenz Gottes kommt als eine beiläufige logische Nachgeburt, nachdem man die Religion abgetrieben hat.“

Ein Satz zum Nachdenken. Wenn man seinen Sinn umdreht, so kann Gott und der Glaube nur leben, wenn man ihn einfach leben lässt, nachdem er eingepflanzt ist. Dann dauert es eine Zeit, bis er – wie bei einer Geburt – heraustritt in eine neue Welt. Ich denke mir: die gibt es auch schon hier in diesem Leben – und dann wieder noch einmal ganz neu nach dem physischen Tod. Dazu gibt es ja eine wunderbare kurze Geschichte, in der sich zwei Zwillingsembryonen unterhalten und sich fragen, ob es eine Leben nach der Geburt gäbe – man hätte da so was gehört von keine Nabelschnur, Luft und so Sachen.

Ich denke auch: die meisten Menschen in unserem Land, die sagen, dass sie zwar an Gott glauben, die Kirche aber nicht brauchen oder wollen, arbeiten schlicht an der Abtreibung der Religion. Irgendwann wird ihnen Gott sterben.

Das Schöne ist: Gott kann sich auch neu wieder einpflanzen oder eingepflanzt werden – wenn nicht die „Gebärmutter der Seele“ komplett entfernt worden ist oder sonst ein irreversibler Schaden entstanden ist.

Große Worte – von Didier Drogba

Didier Drogba denkt nach dem >> Sieg von Chelsea London im Champions-League-Finale, bei dem er zwei Minuten vor Schluss den Ausgleich erzielte und dann im Elfmeterschießen den entscheidenden Penalty verwandelte, auch an alle, die mit ihm zusammen in seinen 8 Jahren bei Chelsea auf diesen Augenblick der Ernte hin gearbeitet haben:

„Ich widme diesen Pokal allen Trainern und Spielern, die wir hatten“.

5:2 – Jürgen Klopp und (der Fußball-) Gott

Passend zum gestrigen >> Triumph des BVB im Cupfinale gegen Bayern München zwei Zitate von Erfolgstrainer Jürgen Klopp:

„Um diese Frage ein für alle Mal zu beantworten: Es gibt zwar keinen Fußball-Gott, aber ich glaube, dass es einen Gott gibt, der uns Menschen liebt, genau so, wie wir sind, mit all unserer Macken. Und deswegen glaube ich, dass er auch den Fußball liebt! Nur: die Kiste müssen wir schon selber treffen.“

„Seit ich darüber nachdenke, bin ich gläubig. Bei den meisten Menschen ist es ja anders: wenn sie anfangen zu denken, sind sie es nicht mehr. Ich suche aber keinen Trost in meinem Glauben. Das wäre peinlich, dafür ist mein Leben zu gut. (…) Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt bei Gott zu bedanken. Ich würde einfach jedem wünschen, dass er diese Erkenntnis auch hat.“

Schüller: hinter den Kulissen von Asterix

Helmut Schüller, der streitbare Pfarrer. Der Ungehorsame, der Uneinsichtige. Auf der anderen Seite der, der gerade Sätze spricht, der „dem Volk aufs Maul schaut“. Der die Römisch-Katholische Kirche rettet. Oder der sie spaltet.

Der Mann bietet eine perfekte Projektionsfläche und Stoff für Storys ohne Ende.

Rosemarie Schwaiger vom „Profil“ hat auch eine geschrieben, eine sehr gute, die >> hier nachzulesen ist. Und vor allem hat sie Helmut Schüller zu zwei Aussagen geführt, die allein schon die ganze Bandbreite des Themas zeigen und zeigen, worum es wirklich geht.

Helmut Schüller, zunächst auf die Frage nach der „Rückwärtsbewegung in der Entwicklung der Kirche“:

„Seit Ratzinger Papst ist, haben sich (diese) Dinge beschleunigt. Das Seltsame ist: Junge Leute, die jetzt ins Priesterseminar gehen, wollen gerade diese konservative Wende. Wir mit unseren 60 Jahren sind in der komischen Lage, dass wir Fragen stellen wollen – und die Jungen erklären uns, diese Fragen gibt es nicht.“

Die Nachhakfrage kam leider nicht – oder ist zumindest nicht abgedruckt: Warum ist das so?

Sie ist umso brennender, als ja die Zulassungskriterien für das Priesterseminar nach den grausigen Erfahrungen der Groer- und Krenn-Zeiten um einiges verschärft worden sein dürften. Die Jungen müssen wohl auch Gründe haben und denen sollte man ebenso Raum geben.

Dass es reines Duckmäusertum ist, glaube ich nicht. Ich denke einfach, sie suchen in unserer heutigen Welt viel stärker nach den Inhalten, dem Kern des Glaubens, als das die „Generation Schüller“ tat und tun musste.

Und beides hat seine Berechtigung. Und es ist wichtig, beides zu sehen – nicht nur hier großes altes Rom, dort dynamisches aufmüpfiges Asterix-und-der-Papst-Österreich.

Nicht weniger wichtig ist Helmut Schüllers Antwort auf die Schlussfrage, ob er meinen würde, der Kirche bisher mehr geschadet oder genützt zu haben:

„Wenn ich den Eindruck hätte, dass ich der Kirche schade, würde ich sofort alle Aktionen einstellen. Aber seit unserem Aufruf zum Ungehorsam melden sich bei uns laufend Leute, die sagen: Ich wollte gerade gehen, aber jetzt bleibe ich noch eine Weile.“

Jeder einzelne von denen ist wichtig – und die wirkliche Leistung wäre jetzt eine doppelte:

  1. alle die, die bleiben und deren Interesse neu erwacht ist, zusammen zu bringen mit jenen, die den Kern suchen und weiter tragen wollen (z.B. die „konservativen Jungen“ in den Priesterseminaren).
  2. Und jene, die den Kern weiter tragen wollen, nicht hochmütig oder aggressiv werden zu lassen. Denn letztlich sind es alles Menschen, die das Beste wollen. Und das geht am Ende nur gemeinsam.