Die Drohne als Wille und Vorstellung

Der Drohnenabsturz knapp hinter dem vierfachen Skiweltcupsieger Marcel Hirscher erinnert mich an die Wahrheit hinter einer immer mehr verpönten Lebenseinstellung.

Drohne stürzt hinter Harscher beim Slalom in Madonna di campiglio 2015Er hätte tot sein können. Wahrscheinlich wäre er tot gewesen.
Warum hat eigentlich niemand diese Worte verwendet? Warum steht in den Headlines in verniedlichenden Anführungszeichen: Hirscher entgeht „Katastrophe“?

Ich meine: Die Anführungszeichen kommen nicht, weil der Tod eines Top-Sportlers weltpolitisch und vor dem Hintergrund von Flüchtlingsströmen und Massentod im Meer oder sonstwo auf dem Weg nicht als Katastrophe durchgeht. Der Grund ist, dass man nicht wahr haben will, was da passiert ist und wofür es steht.

Ach so – das mit dem Fliegen mit Drohnen ist in Österreich ohnedies nicht erlaubt und in Italien (interessant, dass der Skiort des Geschehens Madonna di Campiglio heißt, auf deutsch veraltet Sankt Maria im Pein) auch eigentlich nicht über Menschen?

Ja genau.

Eigentlich ist das Gesetz und war ja auch die Abmachung vor Ort ganz klar: kein Fliegen über Menschen und schon gar nicht über der Spur der Rennläufer.

Nur: Direkt verantwortlich für den Einsatz war der TV-Rechteinhaber Innfront – und der hat die Aktion entweder sogar angeordnet („Und wenn dann keiner mehr genau schaut, dann fliegst ein bissl näher, gibt bessere Bilder“ oder so) oder nicht genügend kontrolliert.

Ja, und so läuft das.

Und so kann das nur dort laufen, wo das Drohnenfliegen nicht komplett verboten ist.

Es geht immer wieder um ein Umfeld, das geschaffen wird und in dem dann eh Sicherheitsbestimmungen eingezogen sind und alles mögliche – und dennoch passieren dann Dinge, die niemals passieren dürften.

Und so – und das ist der Punkt, den ich machen will – ist es auch mit gar nicht so wenigen Gesetzen und Regelungen, die unter dem Deckmäntelchen des Fortschritts oder des längst nötigen Nachziehens oder der Anpassung an die heutige Realität gemacht werden.

Ich selber denke da an das österreichische Fortpflanzungsgesetz, dessen Beschluss vor fast einem Jahr letztlich genau damit argumentiert wurde, dass es ein längst nötiges und logisches Nachziehen ist und dass ohnedies genaue Regelungen und Überprüfungen vorgesehen sind. Und niemand weiß, ob damit nicht übelster Geschäftemacherei Tür und Tor geöffnet sind (bzw. wird das mit einem Achselzucken abgetan, dass so was halt immer passiert und die Schurken immer einen Weg finden) – und schon gar niemand weiß, welche gesellschaftlichen und menschlichen Folgen dieser Pfad hat.
Aber man kann da auch an viel profanere Dinge denken wie Geldmarktderegulierungen, Billigstbieterprinzipien etc.

Klingt nach „Wehret den Anfängen“ und das ist es auch ein bisschen, zugegeben – aber es ist mehr.

Was es in Wahrheit ist: Der Mensch muss wohl mal einsehen, dass sein Verstand ein sehr, sehr scharfes Werkzeug ist, das im Laufe der Geschichte immer schärfer wird und das wir für Gutes und Böses einsetzen können. Noch deutlicher: Wir haben gar nicht die Wahl, dieses Werkzeug in immer anwachsender Schärfe einzusetzen.

Aber wir brauchen mit zunehmender Schärfe des Verstandes zunehmend mehr einen Bezugspunkt, der uns Perspektive gibt und uns in einem Bereich hält, der das Leben fördert und es nicht opfert auf dem Altar von Geld, Ruhm und Macht.

Ich nenne diesen Bezugspunkt Gott.

Sie können ihn natürlich auch anders nennen – aber: bitte keine Drohnen. Nie und nirgends.

 

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„Religion“ Rapid: Von der Pfarrwiese zur Großbaustelle

 

Am Sonntag war ich mit meinem Sohn beim letzten Spiel in „St. Hanappi“, der „heiligen“ Stätte von Rapid Wien. Das Spiel war mäßig, die Show zu hektisch – daher viel Zeit, um Gedanken nachzuhängen, ohne sie groß fertig zu denken.

Da wurde zB so getan, als hätte die Geschichte Rapids mit dem Hanappi-Stadion (das in seinen ersten Jahren ja einfach West-Stadion hieß und erst nach dem Tod des Ex-Rapidlers und Stadion-Architekten Gerhard Hanappi dessen Namen erhielt) begonnen.

Dabei bin sogar ich noch auf die knapp 500 Meter entfernt gelegen gewesene „Pfarrwiese“ gegangen – und dort hatte immerhin ein gewisser Hans Krankl seine große Karriere begonnen. – Krankl übrigens abwesend beim Abschiedsspiel, „Terminprobleme“ – oder doch in seinen Augen nicht genug erwiderte Liebe seitens des Vereins? Es wird schon religiös …

Das „St.“ zum Hanappi hat, wenn ich es richtig im Kopf habe, Josef Hickersberger als Trainer erfunden während einer Saison, in der Rapid Meister wurde.

Und St. Hanappi, das ist für die Rapid-Fans wirklich religiöser Boden – und darüber soll man sich nicht lustig machen, finde ich.

Berührend und gleichzeitig erschreckend etwa, wie über die ganze Westtribüne handgearbeitete Vollflächentransparente mit fußballhistorischen Szenen gerollt wurden. Wer hat die Zeit, das herzustellen? Es ist wohl eine Facette der Arbeite- und Inhaltslosigkeit, die einem da entgegen tritt.

Nach Spielende dann absolute „Rapid, Rapid ist unser Leben“-Stimmung.

Was ist es, das einen Fußballklub zur scheinbar einzigen Bindung an das Leben macht?

Welche Mechanismen wirken, die einen Fußballklub wirklich zur Religion machen?

Was erwarten sich, was fordern die Fans (von „Fanatiker“!) von den Trägern ihrer Religion?

Was passiert, wenn das nicht erfüllt wird?

An die Stelle von „St. Hanappi“ kommt in ca. zwei Jahren (wenn alles klappt) das „Allianz-Stadion“, benannt nach und mitbezahlt von einer Versicherung.

Zeichen der Zeit? Worauf bauen die alle?

***

Nachtrag: anlässlich der WM und auch mit einem kleinen Blick nach Wien behandelte die Religionsabteilung des ORF nun das Thema auch – mehr hier!

Ten Years After: Was aus Eberharters Angst wurde

Zuerst war die Angst, dann „der Hermann“, dann die Idee. Am Ende der Traum und das Beispiel für dich und mich.

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Heute ist es auf den Tag genau zehn Jahre her, dass Stefan Eberharter auf der Kitzbühler Streif das Wort „Traumlauf“ so anschaulich wie selten demonstrierte.

Bemerkenswert daran ist, wie es dazu kam.

Ich hatte die Gelegenheit, mit Eberharter gegen Ende seiner aktiven Karriere einmal ein paar Stunden an der sprichwörtlichen Hotelbar (ohne Alkohol!) zu sprechen. Er vertraute mir unter anderem auch deshalb, weil ich zu Beginn der Saison 2000/2001,  zum Höhepunkt der Maier-Mania, als einziger Journalist bei einem ÖSV-Pressetermin länger mit ihm gesprochen hatte.

Mit ihm, der damals zehn Jahre zuvor bei der WM in Saalbach wie ein Komet aufgetaucht und als Jungspund Doppelweltmeister geworden war. Mit ihm, der sich dann verletzte, immer wieder, der Materialprobleme hatte und der 1996/97 endlich wieder in Schwung gekommen war und damit gerechnet hatte, sich den Nummer-1-Platz in der Skiweltcup-Sonne nun endgültig holen zu können. Und dann war dieser Maier gekommen, „der Hermann“, und hatte alles überstrahlt und niedergewalzt.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs 2000 und auch nicht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meines Artikels, der schon damals den Namen „Ten Years After“ hatte, ahnte noch niemand, dass sich ab August 2001 die Vorzeichen radikal ändern würden – durch Hermann Maiers Motorradunfall, der ihn fast das Bein kostete und Stefan Eberharter die Chance seines Lebens eröffnete.

Eberharter gewann Weltcup und Olympiagold und wurde zum menschlichen und gereiften Star (wie später nach seinem Comeback übrigens auch Hermann Maier).

„Da kommt noch einer und brennt alle her“

In Sölden an der Bar sprachen wir – es muss im Herbst 2004 gewesen sein – auch über Kitzbühel und über „den Lauf“. Das Rennen damals war ein Hundertstelkrimi gewesen, Robert Seeger hatte im TV gemeint: das wird auch so bleiben. Ich selber hatte vor dem TV das Gefühl: da kommt heut noch einer und brennt alle her.

Dieser „eine“ war Stefan Eberharter – der legte dann mit einer Fahrt, die sowohl im obersten Teil (Mausefalle, Steilhang, vor allem die Ausfahrt) als auch am Hausberg und bei der folgenden Schrägfahrt eine Linie in den Schnee, die eigentlich nicht ging. Das hatte ihm zumindest der damalige ÖSV-Abfahrtschefcoach Robert Trenkwalder gesagt.

„Als ich als Junger das erste Mal oben im Starthaus gestanden bin“, erzählte Eberharter mir, „war da nur Angst. Ich dachte: da kann man gar nicht runter fahren.“ Und dann hat er sich genähert, Schritt für Schritt – bis zu dem legendären Ritt am 23.1.2004.

An diesem Tag hat er die Streif und die Angst tatsächlich bezwungen. Und ich finde, an diesem Herangehen kann man sich ein Beispiel nehmen: Erst Respekt, dann Schritt für Schritt näher, dann Mittun und am Ende die eigene Linie finden.

Und hier der Videolink – Steff startet ca. bei Minute 8!

Fuentes und der Fußball

„Zum Abschluss des Prozesses zu Jahresbeginn hatte die Richterin in Madrid verfügt, dass die bei dem verurteilten Mediziner Fuentes gefundenen rund 200 Blutbeutel von Sportlern zu vernichten seien. „Ich bin sicher, große Fußball-Clubs hatten Einfluss auf diese Entscheidung“, sagte Armstrong in dem Interview dazu.“

So wird es wohl sein.

Die ganze Story gibt es hier!

Jan Ullrich: weniger Selbstgefälligkeit, mehr Zukunftshärte

Ullrich

Jan Ullrich ist verwundert: „Im Grunde habe ich nur in anderen Worten das wiederholt, was ich schon vor einem Jahr gesagt habe und wofür ich auch verurteilt worden bin“, sagt der ehemalige Radstar und frühere Liebling der deutschen Nation einen Tag nach dem teilweise ziemlich peinlichen Ballyhoo um ein am Montag erscheinendes Interview im Focus (in Erinnerung ist mir z.B. ein halblustiger Vergleich mit einer Comicfigur in der ZDF-Sendung „heute“ samt Ausschnitt aus der Comic-Serie) .

In dem Interview sagt Ullrich sinngemäß: Ja, ich habe beim spanischen Doktor Fuentes mit Eigenblut gedopt. Aber ich habe niemanden betrogen, weil das im Prinzip alle an der Spitze taten und ich damit niemandem geschadet habe – nachzulesen z.B. hier.

Wenn das alles bekannt ist: Warum regen sich dann eigentlich alle so auf?

Möglichkeit 1: die Öffentlichkeit hat vergessen, was Ullrich vor einem Jahr gesagt hat und/oder fällt auf das Focus-Getrommle herein.
Zur Öffentlichkeit gehören – und das ist wichtig – sowohl die Leser/Seher/Hörer/UserInnen als auch die Medien und die in ihnen tätigen, unter Quoten- und Zeitdruck stehenden Menschen. Ullrich? Doping? Gibt es Zitate? Her damit, zieht immer! (und wie man sieht: zieht auch bei mir)

Möglichkeit 2: es ist vollkommen egal, ob Dinge schon oft gesagt wurden, es geht nur darum, dass man sich aufregen kann.

Möglichkeit 3: das Thema zieht deshalb so, weil es trotzdem mit seiner ganzen Geschichte etwas Besonderes ist und einen Nerv trifft.

Wahrscheinlich stimmen alle drei.

Ich gebe aber zu, dass mich die vielen selbstgefälligen Stellungnahmen gegen Jan Ullrich immer mehr zu stören beginnen.

Mir kommt das alles ein bisschen vor wie relativ leichtfertiges Gerede von Menschen, die selber nie in einer Situation waren, in der sie sich entscheiden mussten (oder vielleicht sogar: konnten), ob sie bei etwas mitmachen, von dem sie zwar wussten, dass es nicht okay war – aber dass es alle taten und sie im Grunde vor der Wahl standen: ich mach es und hab weiter eine Chance in meinem Beruf, oder: ich mach es nicht – und meine Chancen sinken zumindest drastisch.

Da tun sich dann Parallelen in vielerlei Richtungen auf – finanzielle, politische etc. Der Sport spiegelt hier wieder mal das Leben – und vielleicht ist das der Nerv, der getroffen wird.

Ich meine: Jeder, der wirklich ruhigen Gewissens und ohne jeden Zweifel von sich behaupten kann, dass er bei so etwas wie Doping, aber auch Freunderlwirtschaft etc. auf gar keinen nur denkbaren Fall mitgemacht hätte, ist zu bewundern. Und lügt hoffentlich nicht bewusst.

Ich denke daher: den Ball Richtung Vergangenheit flacher zu halten, das wäre für alle gut. Und es stünde auch allen, die von sich selber wissen, dass sie gedopt haben, gut an, sich eher ins stille Kämmerlein zurückzuziehen als viel in der Öffentlichkeit zu agieren.

Aber in der Gegenwart und Zukunft sollte man sehr klar und mit harten Vorschriften vorgehen.

Die Aufgabe des Anti-Doping-Kampfes sollte sein, auf jede mögliche Weise die Zahl der Versuchungen gegen Null zu reduzieren und – durchaus mit dem Thema „Angst vor schweren Konsequenzen wie sofortige lebenslange Sperre etc.“ – die Möglichkeit, an Doping auch nur zu denken, immer unattraktiver erscheinen zu lassen.

Regen, Kälte und das Hallenbad

Nur damit wir es nicht vergessen … Außentemperatur einstellig, Regen mehrstellig. Verspätete Eisheilige sozusagen. Dazu ein kleines Fundstück von facebook:

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Was das mit Sport zu tun hat? Bei den Triathlons in diesen Tagen (z.B. St. Pölten letztes Wochenende, aber auch in der Schweiz) fallen die Schwimmbewerbe aus. Und zum Glück ist keine Fußball-EM oder WM. Da hat es zwar auch immer wieder geschüttet, aber so kalt war es nie.

Aber immerhin: das Stadthallenbad wird nicht abgerissen….

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Es hätte allerdings schon vor 1 1/2 Jahren nach Sanierung wieder aufgesperrt werden sollen.

250.000 Dollar Strafe für die Wahrheit

Die USA, das Land der unbegrenzten (Un-)möglichkeiten: NBA-Commissioner David Stern hat den San Antonio Spurs eine 250.000-Dollar-Strafe aufgebrummt, weil deren Managertrainer Gregg Popovich nicht gelogen hat.

Konkret: Popovich (jetzt nicht der große Sympathieträger, aber das ist ja hier egal) hat aktiv bekanntgegeben, dass er vier seiner Topstars (Tim Duncan, Tony Parker, Manu Ginobili und Danny Green) am Ende einer Auswärtsreise von 5 Spielen schonen wird, damit sie für das wichtige Spiel gegen Memphis daheim frisch sind.

Wie bitte?

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Hätte Popovich einfach geflunkert und gesagt, die Jungs sind verletzt, krank oder sonst was, wäre gar nichts passiert.

Natürlich, Popovich hat mit seiner offensiven Ansage provoziert und den Clash der Egos gegen Stern vom Zaun gebrochen. Aber was heißt das denn bitte schön für die Zukunft?

Müssen die Teams jetzt vor den Spielen dem Commissioner die Aufstellungen zur Genehmigung vorlegen?

Und wo gibt es eine halbwegs objektivierbare Grenze?

Auf europäische Fußballverhältnisse umgelegt wäre das etwa das Ende der viel gelobten Rotation – und die ist nicht erfunden worden, um möglichst viele Fußballer zu beschäftigen und zu bezahlen, sondern um dafür zu sorgen, dass die Schlüsselspieler das ganze Jahr durchhalten und die Ersatzspieler sich sowohl als Mitglieder der Mannschaft fühlen als auch im Ernstfall überhaupt sinnvoll spielen können.

Also, Mr. Stern: das war nichts!