Die Drohne als Wille und Vorstellung

Der Drohnenabsturz knapp hinter dem vierfachen Skiweltcupsieger Marcel Hirscher erinnert mich an die Wahrheit hinter einer immer mehr verpönten Lebenseinstellung.

Drohne stürzt hinter Harscher beim Slalom in Madonna di campiglio 2015Er hätte tot sein können. Wahrscheinlich wäre er tot gewesen.
Warum hat eigentlich niemand diese Worte verwendet? Warum steht in den Headlines in verniedlichenden Anführungszeichen: Hirscher entgeht „Katastrophe“?

Ich meine: Die Anführungszeichen kommen nicht, weil der Tod eines Top-Sportlers weltpolitisch und vor dem Hintergrund von Flüchtlingsströmen und Massentod im Meer oder sonstwo auf dem Weg nicht als Katastrophe durchgeht. Der Grund ist, dass man nicht wahr haben will, was da passiert ist und wofür es steht.

Ach so – das mit dem Fliegen mit Drohnen ist in Österreich ohnedies nicht erlaubt und in Italien (interessant, dass der Skiort des Geschehens Madonna di Campiglio heißt, auf deutsch veraltet Sankt Maria im Pein) auch eigentlich nicht über Menschen?

Ja genau.

Eigentlich ist das Gesetz und war ja auch die Abmachung vor Ort ganz klar: kein Fliegen über Menschen und schon gar nicht über der Spur der Rennläufer.

Nur: Direkt verantwortlich für den Einsatz war der TV-Rechteinhaber Innfront – und der hat die Aktion entweder sogar angeordnet („Und wenn dann keiner mehr genau schaut, dann fliegst ein bissl näher, gibt bessere Bilder“ oder so) oder nicht genügend kontrolliert.

Ja, und so läuft das.

Und so kann das nur dort laufen, wo das Drohnenfliegen nicht komplett verboten ist.

Es geht immer wieder um ein Umfeld, das geschaffen wird und in dem dann eh Sicherheitsbestimmungen eingezogen sind und alles mögliche – und dennoch passieren dann Dinge, die niemals passieren dürften.

Und so – und das ist der Punkt, den ich machen will – ist es auch mit gar nicht so wenigen Gesetzen und Regelungen, die unter dem Deckmäntelchen des Fortschritts oder des längst nötigen Nachziehens oder der Anpassung an die heutige Realität gemacht werden.

Ich selber denke da an das österreichische Fortpflanzungsgesetz, dessen Beschluss vor fast einem Jahr letztlich genau damit argumentiert wurde, dass es ein längst nötiges und logisches Nachziehen ist und dass ohnedies genaue Regelungen und Überprüfungen vorgesehen sind. Und niemand weiß, ob damit nicht übelster Geschäftemacherei Tür und Tor geöffnet sind (bzw. wird das mit einem Achselzucken abgetan, dass so was halt immer passiert und die Schurken immer einen Weg finden) – und schon gar niemand weiß, welche gesellschaftlichen und menschlichen Folgen dieser Pfad hat.
Aber man kann da auch an viel profanere Dinge denken wie Geldmarktderegulierungen, Billigstbieterprinzipien etc.

Klingt nach „Wehret den Anfängen“ und das ist es auch ein bisschen, zugegeben – aber es ist mehr.

Was es in Wahrheit ist: Der Mensch muss wohl mal einsehen, dass sein Verstand ein sehr, sehr scharfes Werkzeug ist, das im Laufe der Geschichte immer schärfer wird und das wir für Gutes und Böses einsetzen können. Noch deutlicher: Wir haben gar nicht die Wahl, dieses Werkzeug in immer anwachsender Schärfe einzusetzen.

Aber wir brauchen mit zunehmender Schärfe des Verstandes zunehmend mehr einen Bezugspunkt, der uns Perspektive gibt und uns in einem Bereich hält, der das Leben fördert und es nicht opfert auf dem Altar von Geld, Ruhm und Macht.

Ich nenne diesen Bezugspunkt Gott.

Sie können ihn natürlich auch anders nennen – aber: bitte keine Drohnen. Nie und nirgends.

 

Nix wissen, abputzen – Willkommen im Lim-Burgtheater!

Gestern war es dann so weit, dass endlich Ruhe schien. Das (wie bei einem ordentlichen Politiker den Vorgesetzten unterschrieben vorliegende) Rücktrittsgesuch des Limburger Bischofs Tebartz-Van Elst ist von Papst Franziskus angenommen worden. Der Mann war in Verruf gekommen, weil er im Verdacht steht, seine Bischofsresidenz um unglaubliches Geld in unglaublicher Weise renovieren und ausbauen zu lassen – das ging bis zur „goldenen Badewanne“.

Aber nein: keine Ruhe.

Denn jetzt wehrt sich der nunmehr emeritierte Bischof und erklärt sinngemäß: ein anderer trägt die Hauptschuld und er selber sei sowieso „nur Gott gegenüber verantwortlich und habe keine verwaltungsmäßige All- und Detailzuständigkeit“.

Abgesehen von dem wunderbaren Wort „All-zuständigkeit“: mich erinnert die Sache an den ebenfalls kürzlich entthronten Direktor des Wiener Burgtheaters, Matthias Hartmann. Auch er hatte offenbar den Boden unter den Füßen verloren, auch er schob die Schuld auf andere, auch er wollte mit den Mühen des Materiellen nur zu tun haben, wenn es ihm und seinen Zwecken zugute kam.

Und auch Hartmann ging in die Gegenoffensive, vor zwei Tagen: seine Entlassung sei eigentlich gar nicht rechtskräftig, er habe ja auf mögliche Finanzlücken des Theaters einmal hingewiesen etc.
Es geht um Geld, es geht um einen Ruf, ja – und möglicherweise waren die beiden tatsächlich benebelt, schlecht beraten und/oder wollten einfach nicht sehen, was sie sehen hätten müssen. Darin unterscheiden sie sich ja von „uns einfachen Menschen“ nicht und deswegen interessieren ihre Fälle uns ja so.

Und da gleichen einander Amtskirche, Staatstheater und andere beliebte Bühnen, für die wir ja auch Eintritt zahlen.

Aber es müsste eine Möglichkeit geben, geschaffen werden, wie solche Dinge mit etwas mehr Würde auf allen Seiten abgewickelt werden.

Wie das genau gehen soll, weiß ich auch nicht. Aber DIESE Form von Kasperltheater ist einfach unnötig und unsäglich.

Aufdecken oder leise schämen?

Andreas Mölzers jüngster „Negerkonglomerat„-Sager, Timoschenko, Erdogan, dann war da noch das „Fuck the EU“-Telefonat ….. ich glaube ja nicht, dass die Leute das früher nie gesagt haben, aber irgendwie blubbert das jetzt permanent in die Öffentlichkeit.

Ich ertappe mich dabei zu denken: MUSS das sein? Wie weit geht der „Aufdeckzwang“? Gibt es irgendwo Scham- und Intimitätsgrenzen? Sind wir auf dem Weg zu Zuständen wie im Film „Minority Report“?

Mögliche Linie: was vor mehreren Personen gesagt wurde, gilt als von öffentlichem Interesse….

Und: was sind Konsequenzen???? Bis jetzt außer Gebrüll praktisch null.

Vielleicht wird sogar von „Echtem“ abgelenkt.

Die einzige Ausnahme, so weit mir bekannt: in Deutschland treten die Leute dann schon zurück (zB Ex-Ex-Bundespräsident Köhler).

Warum nicht nur die Branche Scheiße ist – oder?

Zwei HuffingtonPost_AngebotMeldungen praktisch am selben Tag: Die Huffington Post Deutschland kann sich vor ihrem Start am 10. Oktober des Ansturms an Bloggern nicht erwehren. Die Bloggerinnen und Blogger nehmen das Angebot an, gratis für die HuffPo zu schreiben. Sie bekommen dafür a) die Aussicht auf Bekanntheit und b) die Möglichkeit, auf ihre eigene Webpage zu verlinken, um dort eventuell Geld zu verdienen.

Die zweite Meldung: Der Axel-Springer-Verlag übernimmt die Freizeitsportseite/Applikation „runtastic“ (aus Linz).

Die gleiche Springer AG, deren Vorsitzender Mathias Döpfner im Frühjahr über die Huffington Post und deren Avancen gesagt hatte: Genau dieses Geschäftsmodell, inklusive der Aggregation von Inhalten anderer Medien, sei „das Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“.

Wohin läuft der Hase also?

Zwei Mal verdienen Schreiber nichts.

„Schreiber“ deshalb, weil es nicht korrekt ist, Blogger und Journalisten in einen Topf zu werfen. Es gibt da zwar eine riesige Grauzone, aber Blogger haben an sich einen geringeren und gesetzlich anders gearteten Wahrheits- und Genauigkeitsanspruch als „echte“ Journalisten (jetzt einmal sehr schlampig ausgedrückt, aber es geht um die Richtung) und da kommt möglicherweise noch einiges auf sie zu. – Für Fotografen gilt übrigens das Gleiche, die werden da oft vergessen.

Bei Springer – einem der renommiertesten Verlagshäuser immerhin – verdienen sie nichts, weil es bei Runtastic gar keinen Content gibt, für den was zu bezahlen wäre. (Ich weiß schon, Springer würde jetzt sagen, sie finanzieren mit den Einnahmen von Runtastic oder ähnlichem die „echten“ verlegerischen Produkte quer – wird schon so sein, aber na ja, wo geht die Reise hin?).

Ein Berufsfreund kommentiert das trocken so: „Content ist gratis, aber die Werbeeinnahmen gehen trotzdem weiter. Und die werden jetzt in Technologie investiert. Daten sind das neue Gold.“

Und bei der HuffPo verdienen sie nichts, weil sie eben nichts bekommen außer die Aussicht, eventuell später über ihre eigene Seite oder ihren Bekanntheitsgrad, der ihnen vielleicht einen bezahlten Auftrag verschaffen könnte, etwas zu bekommen.

Bleiben wir bei der Huffington Post.
Ist deren Angebot eigentlich unmoralisch?

Einige Menschen, mit denen ich diskutiert habe, meinen: Nein. Es geht um freie Marktwirtschaft und so lange man jemanden findet, der es gratis macht, ist die Anfrage an Blogger nicht zu verurteilen.

Dass das jedwedem Dumping Tür und Tor öffnet, ist klar.

Im Endeffekt kommen wir dann vielleicht auch mal dorthin, dass Blogger & Co. nicht nur nichts bekommen, sondern zahlen müssen für die Veröffentlichungsmöglichkeit in einem reichweitenstarken Medium. Schließlich ist es ja Werbung für sie.

Ein ehemaliger Chef von mir erklärte seinen Ausstieg aus dem Internet-Medien-Business lapidar mit folgenden Worten: „Die Branche ist Scheiße.“

Möglicherweise hat er Recht.

Möglicherweise greift er aber zu kurz.

Denn es geht letztlich nicht nur um Schreiber, Fotografen und alle, die sich in der „Publikationsbranche“ tummeln.

Letztlich geht es um den gesamten Bereich der bezahlten Arbeit. Die Publikationsbranche ist da nur ein sehr gut passender und sehr leicht zu „bearbeitender“ Einstieg.

„So lange man jemanden findet, der es billiger macht (oder gratis oder etwas dafür zahlt, es machen zu dürfen), sind solche Ansinnen okay“: das führt im Endeffekt dazu, dass niemand mehr was zahlt und dass die Wirtschaft „steht“, weil sich niemand mehr was kaufen kann (außer ein paar Superreichen und Lottogewinnern am Kiosk oder in der Finanzbranche).

Und da spreche ich noch nicht einmal über die menschliche Dimension. Das vielleicht ein andermal.

Journalismus: keiner zahlt, einer versteht?

Lotterfacebook„Journalismus ist, wenn am Ende mehr als einer verstanden hat, worum es geht. Alles andere ist nicht Journalismus. Egal auf welchem Kanal.“

Das schreibt die aus Wien stammende Wirtschafts-Edelfeder Wolf Lotter auf facebook  (ursprünglich auf twitter, ich weiß ;-))

Liegt die Latte nicht etwas tief? Lotter: „Ich fürchte: nein.“

Als ob eine Branche, die ohnedies schon taumelt wie nicht gescheit, es noch nötig hätte, sich selber ein bisschen runter zu ziehen.

Aber gut, genau so stimmt: Schule ist, wenn am Ende mehr als einer verstanden hat, worum es geht. – Bei beidem setzen wir übrigens stillschweigend voraus, dass der Journalist bzw. Lehrer derjenige ist, der verstanden hat, worum es geht. Und setzen wir (mit noch weniger Gewissheit) voraus, dass es nicht die Absicht des Journalisten/Lehrers ist, unverständliche Dinge von sich zu geben (oder es selber nicht verstanden zu haben).

Aber stimmen wir Wolf Lotter einmal gedanklich zu und fragen wir uns: Warum ist das so, dass so schlecht geschrieben wird? Sind wirklich alle so dumm geworden durch das Internet und die moderne Welt im allgemeinen? Ist die kulturpessimistische Sichtweise die Richtige?

Ich behaupte: es wird schon was dran sein.

Aber was noch schwerer wiegt, ist der Faktor Einsparung und Bezahlung in der Medienbranche. Der Geschäftsdruck auf die Medien ist aus zwei Gründen mehr oder weniger unerträglich geworden: zum einen durch die Wirtschaftskrise (die ein gutes Beispiel dafür ist, was überhaupt keiner mehr so richtig versteht, Ansätze wie die von Heiner Flassbeck ausgenommen; Flassbeck machte etwa schon vor fast fünf Jahren klar, dass Deutschland eine große Schuld an der Krise in Griechenland trifft).

Beispiele für den extrem rauhen Wind, der Menschen entgegen schlägt, die Geschichten nachgehen und diese möglichst vielen anderen Menschen erzählen wollen, finden sich zuhauf. Zwei möchte ich hier erwähnen, weil sie große Medienhäuser betreffen, die mit dem Qualitätsanspruch argumentieren und auch noch immer recht gut davon leben: einen geharnischten Brief aus der Redaktion der Website freischreiber.de an den Die Zeit-Geschäftsführer. Und – etwas älter – die bittere Klage der mittlerweile meines Wissens Ex-Ö1-Journalistin Barbara Kaufmann über die Arbeitsbedingungen der Freien Mitarbeiter im ORF.

Ein Ausschnitt daraus:

„Irgendwann im ersten Jahr hab ich bemerkt: das geht sich nicht aus. Ich hab den Fehler selbstverständlich zuallererst bei mir gesucht. Vielleicht liegt es an der fehlenden Routine, dachte ich mir. Vielleicht war ich einfach zu langsam. Oder zu genau. Oder mein Anspruch war zu hoch. Aber es gab und gibt nun mal Qualitätsansprüche bei Ö1 und darunter zu produzieren geht nicht. Für niemanden. Sonst kommt der Beitrag nicht auf Sendung. Und man kann nicht 10 qualitativ hochwertige, ausrecherchierte Beiträge a 3 Interviews und 20 Stunden Literaturstudium Minimum pro Beitrag im Monat produzieren. Das müsste man aber, wenn man ca 3000 Euro brutto verdienen möchte. Man schafft höchstens 4. Und das auch nur, wenn man an Wochenenden arbeitet und in der Nacht. Da ist man dann am Monatsende bei 1200 Euro brutto. Und fertig. Erschöpft, ausgelaugt. Bereitet aber bereits die nächste Geschichte vor, liest sich ins übernächste Wissenschafts- oder Politthema ein. Oder steckt schon mitten in den Vorarbeiten für die kommende Sozialreportage.“

Und wer trägt außer der Wirtschaftskrise Schuld?

Man liegt nicht weit daneben, wenn man auf die Gratiskultur des Internets tippt. Diese hat nicht nur die News im Netz im wahrsten Sinn des Wortes wert-los gemacht (weil reine News irgendwann überall gleich und dann auch gleichZEITIG sein müssen), sondern die gesamte Struktur der Medienbranche auf den Kopf gestellt.

Jede Geschichte, die irgendwo erscheint, kann von jemand anders auf „seiner“ Plattform gebracht und könnte auch vermarktet werden, wenn es jemand zahlen würde. Sehr lesenswert ist in diesem Zusammenhang ein aktuelles Interview von NÖN-Chefredakteur Harald Knabl im Branchenblatt Horizont. Lesenswert vor allem, weil es eben auch die regionale Dimension und deren Wirtschaftlichkeit gut erklärt.

Hier die wesentlichen Ausschnitte, die das Gratissegment generell und das Internet im besonderen betreffen:

HORIZONT: Niederösterreich war ja gerade in den letzten Jahren ein Gebiet, in dem immer mehr Player zu expandieren versuchen – gerade im Gratiswochenzeitungsmarkt. Bietet der niederösterreichische Medienmarkt noch Platz?

Knabl: Im Gegenteil. Wir sind jetzt schon überversorgt, und es gibt schon heute Produkte, die kein Mensch braucht. Diese machen aber den etablierten Playern das Leben schwer, weil sie eben auch Gelder abziehen. Diese regionale Tiefe in der Berichterstattung, die die Gratiswochenzeitungen trommeln, ist reiner Fake. Wenn man sich die Produkte durchblättert, merkt man schnell, dass hier alles andere als eine redaktionelle Nahversorgung geboten wird. Möglicherweise lässt sich der Leser durch den Trommelwirbel noch einige Zeit täuschen – aber irgendwann wird er draufkommen.

HORIZONT:
 Stichwort Digitalisierung. Wie sehr sind die regionalen Zeitungen davon betroffen? 

Knabl: Dazu etwas Grundsätzliches: Die Verleger haben in der Vergangenheit den Fehler gemacht, zu glauben, die nächste Druckmaschinenbestellung stornieren zu können, weil es ohnehin bald kein Papier mehr gibt. Weil man ­alles online machen kann und sich dadurch noch Kosten spart. Und um den Lesern Online schmackhaft zu machen und sie daran zu gewöhnen, haben die Medienhäuser ihre Inhalte verschenkt. Von dieser Situation sind wir nun aber nicht mehr weggekommen. Wenn ich etwa abends nach Hause fahre, kann ich mir die Nachrichten großer Qualitätszeitungen frei zugänglich online ansehen. Damit bin ich über das Wichtigste informiert, und ich frage mich, warum ich eigentlich am nächsten Morgen eine Zeitung kaufen soll. Diese Gratis-Un­kultur ist ein internationaler Trend und durchzieht fast alle Bereiche des Internets.

HORIZONT:
 Es gibt aber schon Medienhäuser, die online Geld verdienen.

Knabl: Wenn man ehrlich rechnet und alles berücksichtigt, dann halten dieser Kalkulation viele Portale nicht stand, die heute behaupten, bereits Gewinne zu schreiben. Wir selbst werden jedenfalls so wenig wie möglich unserer Kaufzeitungsinhalte online gratis hergeben. Wir setzen derzeit auf das Thema e-Paper. Online teasern wir einzelne Geschichte an und verweisen dann auf unser kostenpflichtiges e-Paper. Sicherlich werden die Einkünfte aus Online-Werbung noch steigen – aber das wird nie die Dimension von Print annehmen können.

HORIZONT:
 Gerade jetzt gibt es wieder einen Trend zu Paid Content. So hat Axel Springer kürzlich für Bild.de ein Bezahlmodell eingeführt.

Knabl: Von Seiten der Medien gibt es kuriose Versuche, für Online-Inhalte Geld zu verlangen. Vom Verkauf einzelner Artikel bis hin zu freiwilligen Modellen nach dem Motto „Wenn Du glaubst, dass dir der Artikel etwas wert ist, dann schick uns Geld.“ Das ist alles ratloses Herumstochern im Heuhaufen. Ich glaube nicht an den einzelnen Artikelverkauf. Das stellt uns vor irrsinnige Probleme bei den Abrechnungssystemen. Lediglich der Gesamtverkauf kann funktionieren – entweder als e-Paper oder als Portallösung, bei der dann Kosten anfallen, wenn man das lesen will.

Wenn jetzt jemand darauf wartet, dass ich die Lösung habe: leider nein.

Mit welchen Mitteln aber um die ohnedies durch ständiges Runterlizitieren bei den Preisen, die für Werbung gezahlt werden, sehr wackligen Einnahmen gekämpft wird, zeigt eine geradezu beängstigende Hintergrundgeschichte zum Thema „Blockieren von Werbeinhalten auf Internet-Plattformen“ –  für starke Mägen und Detailinteressierte!

Jan Ullrich: weniger Selbstgefälligkeit, mehr Zukunftshärte

Ullrich

Jan Ullrich ist verwundert: „Im Grunde habe ich nur in anderen Worten das wiederholt, was ich schon vor einem Jahr gesagt habe und wofür ich auch verurteilt worden bin“, sagt der ehemalige Radstar und frühere Liebling der deutschen Nation einen Tag nach dem teilweise ziemlich peinlichen Ballyhoo um ein am Montag erscheinendes Interview im Focus (in Erinnerung ist mir z.B. ein halblustiger Vergleich mit einer Comicfigur in der ZDF-Sendung „heute“ samt Ausschnitt aus der Comic-Serie) .

In dem Interview sagt Ullrich sinngemäß: Ja, ich habe beim spanischen Doktor Fuentes mit Eigenblut gedopt. Aber ich habe niemanden betrogen, weil das im Prinzip alle an der Spitze taten und ich damit niemandem geschadet habe – nachzulesen z.B. hier.

Wenn das alles bekannt ist: Warum regen sich dann eigentlich alle so auf?

Möglichkeit 1: die Öffentlichkeit hat vergessen, was Ullrich vor einem Jahr gesagt hat und/oder fällt auf das Focus-Getrommle herein.
Zur Öffentlichkeit gehören – und das ist wichtig – sowohl die Leser/Seher/Hörer/UserInnen als auch die Medien und die in ihnen tätigen, unter Quoten- und Zeitdruck stehenden Menschen. Ullrich? Doping? Gibt es Zitate? Her damit, zieht immer! (und wie man sieht: zieht auch bei mir)

Möglichkeit 2: es ist vollkommen egal, ob Dinge schon oft gesagt wurden, es geht nur darum, dass man sich aufregen kann.

Möglichkeit 3: das Thema zieht deshalb so, weil es trotzdem mit seiner ganzen Geschichte etwas Besonderes ist und einen Nerv trifft.

Wahrscheinlich stimmen alle drei.

Ich gebe aber zu, dass mich die vielen selbstgefälligen Stellungnahmen gegen Jan Ullrich immer mehr zu stören beginnen.

Mir kommt das alles ein bisschen vor wie relativ leichtfertiges Gerede von Menschen, die selber nie in einer Situation waren, in der sie sich entscheiden mussten (oder vielleicht sogar: konnten), ob sie bei etwas mitmachen, von dem sie zwar wussten, dass es nicht okay war – aber dass es alle taten und sie im Grunde vor der Wahl standen: ich mach es und hab weiter eine Chance in meinem Beruf, oder: ich mach es nicht – und meine Chancen sinken zumindest drastisch.

Da tun sich dann Parallelen in vielerlei Richtungen auf – finanzielle, politische etc. Der Sport spiegelt hier wieder mal das Leben – und vielleicht ist das der Nerv, der getroffen wird.

Ich meine: Jeder, der wirklich ruhigen Gewissens und ohne jeden Zweifel von sich behaupten kann, dass er bei so etwas wie Doping, aber auch Freunderlwirtschaft etc. auf gar keinen nur denkbaren Fall mitgemacht hätte, ist zu bewundern. Und lügt hoffentlich nicht bewusst.

Ich denke daher: den Ball Richtung Vergangenheit flacher zu halten, das wäre für alle gut. Und es stünde auch allen, die von sich selber wissen, dass sie gedopt haben, gut an, sich eher ins stille Kämmerlein zurückzuziehen als viel in der Öffentlichkeit zu agieren.

Aber in der Gegenwart und Zukunft sollte man sehr klar und mit harten Vorschriften vorgehen.

Die Aufgabe des Anti-Doping-Kampfes sollte sein, auf jede mögliche Weise die Zahl der Versuchungen gegen Null zu reduzieren und – durchaus mit dem Thema „Angst vor schweren Konsequenzen wie sofortige lebenslange Sperre etc.“ – die Möglichkeit, an Doping auch nur zu denken, immer unattraktiver erscheinen zu lassen.

100 Tage Papst Franziskus

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Anlässlich 100 Tage Papst Franziskus: ein „schönes“ Beispiel, was GENERELL privat gesagt wurde, was INSGESAMT privat gesagt wurde und welche Bruchstücke dann zum Thema werden.

http://www.katholisch.me/artikel/2013/06/14/was-der-papst-wirklich-sagte/

An Franziskus fasziniert mich seine Kraft und seine „Weltlichkeit“ – also seine Fähigkeit, nicht distanziert von der ach-so-schnöden Welt zu sein wie sein Vorgänger Benedikt, sondern Konkretes anzusprechen und es trotzdem aus einer geistlichen Perspektive zu tun.

Politiker und Social Media, die 2.

Ich wusste es ja- siehe das Ende meines kürzlichen Postings: „und auch ohne Failmann: es könnte eine Serie draus werden, wenn ich es mir jedes Mal merke, wenn mir ein Social-Media-Statement aus der Politik – nun, sagen wir: auffällt, >> das Gesamte ist hier nachzulesen ….

Also: gestern Statusmeldung von Othmar Karas auf facebook: „Habe soeben den Text eines Interviews zu Strasser, OEVP und EU mit der Wiener Zeitung freigegeben.“

So las sich das Interview dann auch …. siehe >> hier

Richtiger Kommentar eines anderen Users darunter: „ich stelle (nur) dass in einem demokratischen land keine „freigabe“ von nöten ist. ob ein artikel gedruckt werden „darf“, oder gar „soll“.. entscheidet nicht ein interviewter, sondern ein interviewer, that`s it und nicht mehr oder weniger.“

Finde ich im Prinzip auch, außer in sehr heiklen Fällen – und Heikles hab ich da nichts gefunden, vielleicht wurde es aber auch vor Freigabe weggenommen?

Aber auf jeden Fall sollte man sich das nicht an die facebook-Fahnen heften, dass man ein Interview freigegeben hat.

Meine zumindest ich.

Olympiaflop: Fünf Thesen zum Salat von London

Kein Darabos zum Einstieg, kein Stoss, kein Rogan, keine besorgte Reportermiene – sondern ein Blick zu einer Sportart, die 2016 erstmals nach 1904 wieder olympisch sein wird:

Zeitgleich mit den Spielen in London fanden nämlich in den USA die dortigen PGA-Championships statt, das letzte Major-Turnier des Jahres.

Im Golf hat Österreich mit dem erst 26-jährigen Bernd Wiesberger, der heuer so richtig den Durchbruch auf internationaler Ebene geschafft hat, und einigen sehr talentierten Nachwuchsspielern durchaus olympisches Potenzial – vielleicht nicht für eine Medaille, aber für einen sehr guten Platz und vor allem für einen guten und sauberen Auftritt.

Aber DAS ist nicht das Auffällige an den PGA-Championships 2012, sondern: Heuer belegten bei diesem Turnier >> drei Briten die ersten drei Plätze, insgesamt waren fünf unter den Top Ten. – Ich hab jetzt nicht jedes Turnier der Vergangenheit rausgekramt, bin aber sicher: das gab es noch nie, zumindest in den letzten beiden Jahren >> 2010 und >> 2011 nicht.

Ich behaupte: die Erfolgsdynamik des „Team Great Britain“ ist von den Olympischen Spielen sogar zum Golf in die USA übergeschwappt.

Hierzulande ist das Gegenteil der Fall – und das ist der eigentliche stotternde Motor in der Erfolgsmaschine des österreichischen Sommersports (wenn wir uns einmal darauf beschränken).

***

Jetzt ist natürlich schon jede Menge geschrieben und gesagt worden zu Österreichs Salto Nullo in London.

Ich möchte dem trotzdem ein paar Dinge hinzufügen:

1. Um mehr und gezielter Erfolg haben zu können, müssen wir aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Wir leben in einem Land, in dem das Erreichen des Olympia-Limits nicht automatisch eine internationale Top-Platzierung bedeutet. Wir müssen daher auseinander halten und akzeptieren, dass es unterschiedliche Typen von Olympia-AthletInnen gibt und dementsprechend die Ansprüche auch für jeden EINZELNEN formulieren – sprich:
• für manche ist Olympia tatsächlich einfach eine Belohnung, ein Dabeisein, ein Höhepunkt der Karriere. Dass die Spiele für diese Menschen hauptsächlich Erlebnischarakter haben, darf ruhig so sein – sie sind quasi legitime Olympia-Touristen.
• Für andere ist es ein Hineinschnuppern, ein Sammeln von Erfahrung auf höchstem Niveau – also eine Investition in zukünftige Erfolge.
• Und für wieder andere MUSS es das nicht nur so dahingesagte Ziel sein, eine Medaille zu holen – dazu gehören die Welt- und Europameister, Weltcupsieger etc.
Die Letztgenannten haben auch eine besondere Aufgabe für die gesamte Mannschaft, was ihre Leadership, ihre Aussagen vor und nach den Wettkämpfen etc. betrifft.

2. Die Zusammenlegung von allem ist auch nicht unbedingt die Lösung – siehe BRD.

Die Zusammenlegungspläne der gesamten Sportförderung in eine Hand und damit einher gehende Überlegungen zum Zusammenlegen von ÖOC, Sporthilfe, BSO etc. klingen gut – aber sind sie es auch? Wahrscheinlich gäbe es weniger Verzettelung und vielleicht weniger Bürokratie. Aber garantiert ist das nicht und wir haben mit Deutschland ein mahnendes Beispiel vor uns. Was sich nämlich dort unter grundsätzlich EINER Organisation, dem DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) an >> absurder Planwirtschaft und bösem Erwachen abgespielt hat – dagegen nehmen sich unsere Sorgen vergleichsweise klein aus.

3. Im Viereck Schul-, Breiten-, Leistungs- und Spitzensport müssen wir sauber denken und handeln.

Natürlich schwimmt das alles in eine Richtung – aber zu glauben, dass die tägliche Turnstunde am Ende automatisch Olympiachamps hervorbringt, ist ebenso naiv wie die Annahme, dass mehr heimische Teilnehmer am Vienna City Marathon Österreich zum Fußball-WM-Endrundenteilnehmer machen werden.

Was man TATSÄCHLICH in der Pflichtschule machen kann, ist ein Screening von Talenten und ein Anbieten von Möglichkeiten. Dabei werden dann im Idealfall viele Breiten-, einige Leistungs- und wenige Spitzensportler herauskommen. Und das wäre schon ein Fortschritt.

Im Prinzip geht es um die Schaffung eines Klimas, das dem Sport wohlgesonnen ist und ihn als grundsätzlich wichtig auch für eine Gesellschaft und deren Werte deklariert (ohne die Probleme zu verleugnen, die damit einhergehen). Dabei haben übrigens Schule UND Eltern Verantwortung.

4. Ehrenamt darf kein Argument gegen Professionalität sein und umgekehrt.

Das ewige Hickhack rund um Ehrenamt und Profitum bei den Funktionären braucht Vermittlung. Auf Deutsch: es hat ebenso wenig Sinn, wenn angestellte Profis (die hoffentlich Experten sind) einfach dazu da sind, blind die Vorgaben von in teils politischen Gremien gewählten „Ehrenamtlern“ zu erfüllen, wie umgekehrt. Da wären dann die Ehrenamtler aus der Sicht der Profis nur Menschen, die sich wichtig machen und eh keine Ahnung haben. Das braucht – schon im Kleinen, bei den Obmännern und bezahlten Trainern z.B. – ein ehrliches Aufeinander-Zugehen und das gelebte Bewusstsein, dass beides einander braucht.

Vielleicht brauchen wir dazu tatsächlich MediatorInnen – das könnten durchaus z.B. alt gediente erfolgreiche SportlerInnen, TrainerInnen, FunktionärInnen etc. sein. (Aber können wir es bitte NICHT „Weisenrat“ nennen?)

5. Wir brauchen eine Dynamik und einen Fluss des Erfolgs – daran haben auch die Medien Anteil.

Das Wichtigste zum Schluss: das alles kann nur Erfolg haben, wenn es uns gelingt, einen „Erfolgsfluss“ zu schaffen, an dessen Quelle Kinder stehen, die große sportliche Vorbilder haben (die nicht unbedingt Österreicher sein müssen!), und an dessen Mündung echte Olympische Medaillenchancen herauskommen.

Der deutsche Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat zu dem gesamten Komplex rund um seinen persönlichen, als haushoher Favorit dann nur äußerst knapp errungenen Erfolg und die Rahmenbedingungen ein >> insgesamt sehr interessantes Interview gegeben, in dem er unter anderem sagt:

Harting: Wir haben in Deutschland eine Neid- und Leistungskultur. Die Kette zieht sich in einem fort: Ich bringe Leistung, ein anderer ist neidisch und überholt mich, ich bin neidisch und überhole ihn. Von dieser Kultur müssten wie in unserem Land mal abrücken.
Welt am Sonntag: Was schlagen Sie vor?
Harting: Siege gibt es nie geschenkt – wir sollten sie genießen und auch die Platzierungen dahinter besser honorieren. Es ist wichtig, dass sich Verbände, öffentlich-rechtliche Medien und Dachorganisation der sportlichen Zukunft von Deutschland widmen. Wenn es so weitergeht, werden unsere Kinder und Enkelkinder nur noch Fußball spielen und über Fußball Bescheid wissen. Das geht schon in den Grundschulen los. Auch Ihr Medien müsst wissen, wie Ihr die Zukunft gestalten wollt!
Welt am Sonntag: Geht es Ihnen auch darum, dass Platzierungen jenseits der Medaillenränge unzureichend gewürdigt werden?
Harting: Ja, definitiv. Das ist so in Deutschland. Und das ist schade.

Das ist – mit Abstrichen – alles auch in Österreich so. Genug Punkte, um anzuknüpfen.

Die Wahrheit über die Burnout-Lüge

Was passiert, wenn der „Sprachpapst“ einen Haufen zu einem Thema zusammen schmeißt und das Ganze nicht ordentlich auflöst? Es bleibt ein Kloß liegen, den kann man sich in den Hals stecken oder sonstwo hin.

Das haben wir schon einmal gesehen, und zwar beim Thema „Glück“. Da bot der nicht nur von mir ob seines messerscharfen und gleichzeitig vergnüglichen Standardwerks >> „Deutsch für Profis“ hoch geschätzte Wolf Schneider eine >> „etwas andere Gebrauchsanweisung“. Für mich war sie so anders, dass ich sie nicht sehr brauchbar fand. Aber vielleicht kenn ich mich ja mit Glück nicht so aus.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich über EINEN Absatz in Schneiders Anreißer-Text für sein neues Buch zum Thema „Lüge“ (>> „Die Wahrheit über die Lüge und warum wir den Irrtum brauchen“) besonders gestolpert bin.

In der Tageszeitung „Der Standard“ schreibt Schneider nämlich unter dem Motto >> „über die Liebe zur Lüge“ über Menschen, mit denen es das Glück grad nicht so gut meint (oder sie mit dem Glück, was ja auch sein kann):

„Suchen wir aber nach Lebenslügen, die für unsere Ära typisch sind, so könnte uns das sogenannte Burn-out-Syndrom in den Blick geraten. Keine Lüge ist es bei denen, die unter zu viel Verantwortung oder erzwungener Verzettelung wirklich zusammenbrechen: Natürlich erzeugt die elektronische Beschleunigung aller Abläufe, das Andrängen unendlicher Informationsmengen, der Zwang zur Erreichbarkeit rund um die Uhr einen Dauerstress, wie es ihn vor einem halben Jahrhundert noch nicht gab.

Nur dass eben das Signal „Ich bin ausgebrannt bis an den Rand der Selbstzerstörung“ einen gewissen sozialen Rang erworben hat, und das noble Etikett mit seiner Aura von Kernphysik, Wall Street, unerhörter Wichtigkeit verführt dazu, es sich wie einen Orden anzuheften.“

Was Schneider damit GENAU meint, ist mir ein bisschen verborgen geblieben. Ist Burnout seiner Meinung nach in einer „unberechtigten“ Form eine Lebenslüge und wenn ja: wie sieht sie aus?

***

Ich selber habe einen anderen Ansatz zum Thema „Burnout und Lebenslüge“, entstanden aus einigen Gesprächen in den letzten Wochen und Monaten: Burnout entsteht durch Dauerfeuer von hoher Belastung aus den verschiedensten Quellen mit zu wenig Erholung dazwischen.

Dem Burnout ist dabei egal, aus welcher Richtung die Belastungen kommen und wie sie entstehen. Der Schneider-Ansatz der unendlichen Informationsmengen etc. ist dabei sicher der Hintergrund, die Unterströmung.

Dazu kommen aber Anforderungen, die wir uns teils selber gemacht und teils überhaupt nicht ausgesucht haben – und deren Mischung.

Ein schönes Beispiel für den Wirkungsmechanismus der Mischung hat die Soziologin Marianne Gronemeyer in ihrer Kritik am >> Konsumismus im Ansatz einmal so formuliert:

„Der Mensch kauft Dinge, die er nicht braucht – mit Geld, das er nicht hat, und um Menschen zu imponieren, die er nicht mag.“

In Richtung Burnout möchte ich ergänzen: Er halst sich dabei beruflich oder privat Aufgaben auf oder bekommt sie aufgehalst, die ihm unter den sich bietenden Bedingungen die meiste Zeit eine halbe Nummer zu groß sind – von denen er aber glaubt, dass er sie schon schafft, weil es ja schließlich andere auch schaffen.

Die Lebenslüge dabei ist, dass einige aktuelle Generationen, weil sie es so gelernt haben, mit folgenden Glaubenssätzen leben: Du musst dich nur bemühen, dann schaffst du es. Und wenn du mehr schaffst als die anderen, dann bist du gut.

Eine Lüge ist das übrigens nur OBJEKTIV, also von außen und mit Abstand und der Erfahrung der aktuellen Wirtschaftskrise gesehen. Vorher war es entweder Common Sense oder maximal ein Schwindel.

Der Schwindler unterscheidet sich nämlich vom Lügner dadurch, dass er den Blödsinn auch glaubt, den er selber verzapft. Der Lügner sagt bewusst die Unwahrheit.

Burnout aber ist – das traue ich mich zu sagen – in den seltensten Fällen eine Lüge. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer noch viel höher, als wir alle glauben.

Und das Problem ist mit ein bissl Krankenstand und ein bissl Rehab-Aufenthalt nicht zu lösen. Derzeit fehlt da zum Beispiel auch noch praktisch alles an Nachbetreuung.

Was Burnout aber zumindest ist: es ist die WIRKLICHKEIT. Und mit der sollte man sich ernster auseinandersetzen als mit flapsigen Kommentaren über eine Modekrankheit, die es früher nicht gab und die man daher nicht so ganz ernst nehmen will – so lange sie einen nicht selber erwischt.