„Manche nennen das Gott“

„Wir alle, Konsumenten, Zwangsgestörte und unbewusst Handelnde gleichermaßen, sollten keine Zeit und keine Verehrung mehr auf Götter verschwenden, die uns nicht retten können. Wir sind geschaffen, um die Luft zu atmen, die uns immer umgibt, uns nährt und erfüllt. Manche nennen das Gott.“
Richard Rohr

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„Liebt einander oder geht zugrunde“

Buch Cover Dienstags bei MorrieIch lese seit meinem Geburtstag ein Buch, das ich von einer sehr klugen und liebenswerten Frau geschenkt bekommen habe: „Dienstags bei Morrie“ von Mitch Albom. Der Untertitel ist „Die Lehre eines Lebens“ und es geht um das langsame, bewusste Sterben eines College-Professors und die „dienstäglichen“ Besuche eine seiner ehemaligen Schüler. Ich möchte es rückhaltlos empfehlen – hier ein Ausschnitt, der mich sehr berührt hat, nicht nur aus eigener Betroffenheit, sondern aus vielen Beobachtungen und Gesprächen rundherum: „Das jedenfalls habe ich über die Ehe gelernt“, sagte er jetzt. „Du wirst auf den Prüfstand gestellt. Du findest heraus, wer du bist, wer der andere ist, und wie ihr miteinander auskommt oder auch nicht.“ „Gibt es irgendeine Regel, um zu wissen, ob eine Ehe funktionieren wird?“ Morrie lächelte. „Die Dinge sind nicht so einfach, Mitch.“ „Ich weiß.“ „Freilich“, sagte er, „gibt es für die Liebe und die Ehe ein paar Regeln, von denen ich weiß, dass sie wahr sind. Wenn du den anderen nicht respektierst, dann wirst du eine Menge Probleme haben. Wenn du nicht weißt, wie man Kompromisse schließt, dann wird es schwierig werden. Wenn du nicht offen darüber reden kannst, was zwischen euch abläuft, dann wirst du ebenfalls große Schwierigkeiten bekommen. Und wenn ihr im Leben nicht bestimmte gemeinsame Werete habt, dann werdet ihr beide jede Menge Probleme haben. Eure Werte müssen ähnlich sein.“ „Und welches ist der Wichtigste jener Werte, Morrie?“ „Euer Glaube an die WICHTIGKEIT eurer Ehe.“ Er schniefte und schloss dann einen Moment die Augen. „Ich persönlich“, sagte er seufzend mit noch immer geschlossenen Augen, „glaube, dass es sehr wichtig ist zu heiraten, und dass du sehr viel verpasst, wenn du es nicht versuchst.“ Er beendete das Thema, indem er die Gedichtzeile zitierte, an die er wie an ein Gebet glaubte: „Liebt einander oder geht zugrunde.“ *** Morgen begraben wir einen Mann, der so gelebt hat und der auch lange vom Leben in den Tod gegangen ist. Ich bin ihm – auch durch seine Krankheit – nicht oft begegnet, aber er war immer da und er wird es auch bleiben. „Liebt einander oder geht zugrunde“, das könnte auch sein Auftrag gewesen sein. Und nicht zufällig werden wir an eine zentrale Stelle aus dem Neuen Testament erinnert: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ – das berühmte „neue“, letzte Gebot von Jesus Christus.

Warum Atheisten Kirchen brauchen

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt. Ich will zu leuchtenden Kirchenfenstern hinaufsehen und mich blenden lassen von der Welt der unirdischen Farben. Ich brauche ihren Glanz. Ich brauche ihn gegen die schmutzige Einheitsfarbe der Uniformen. Ich will mich einhüllen lassen von der herben Kühle der Kirche. Ich brauche ihr gebieterisches Schweigen. Ich brauche es gegen das geistlose Gebrüll des Kasernenhofs und das geistlose Geschwätz der Mitläufer. Ich will den rauschenden Klang der Orgel hören, diese Überschwemmung von überirdischen Tönen. Ich brauche ihn gegen die schrille Lächerlichkeit der Marschmusik. Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen. Ich will die mächtigen Worte der Bibel lesen. Ich brauche die unwirkliche Kraft ihrer Poesie. Ich brauche sie gegen die Verwahrlosung der Sprache und die Diktatur der Parolen. Eine Welt ohne diese Dinge wäre eine Welt, in der ich nicht leben möchte.“

Das sagt der junge und atheistische Held Amadeu de Prado in „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier

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Und besser kann man es nicht erklären.

Nazitum und Katholizismus – ein „anderes“ Schlaglicht

Heute an dieser Stelle ein Lesetipp (oder auf oe1.orf.at nachhören)

>> Gedanken für den Tag – die dunklen Krüge der Erinnerung

Bodo Hell über seine Irritation durch die Schriftstellerin Gertrud Fussenegger und ihre eigenartige Position zu Katholizismus und Nationalsozialismus:

„Thomas Bernhards Attacken auf das katholisch-nationalsozialistische Österreich haben mich seinerzeit aufgeschreckt, und ich registrierte mit Erleichterung jede Form eines katholischen Widerstandes gegen Hitler und sein System. Aber wie erklärt sich der nationalsozialistische Fanatismus einer Gertrud Fussenegger? Bereits im Mai 1933 trat sie als Einundzwanzigjährige der damals illegalen österreichischen NSDAP bei, und im Mai 1934 wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie in Innsbruck das Horst-Wessel-Lied gesungen und den Hitlergruß geübt hatte. Und nach dem Anschluss Österreichs huldigte sie Hitler mit einem Hymnus. Wahrscheinlich müsste man das nicht immer wieder aufzählen, wenn Gertrud Fussenegger einmal klar und unverständlich dazu Stellung genommen hätte. Doch in ihrer Autobiografie kommt das alles nicht vor. Dort findet sich nur die diffuse Aussage, sie sei „ideologiesüchtig“ gewesen. (…)

Allerdings finde ich in Gertrud Fusseneggers Autobiografie Gründe, warum das damalige katholische Milieu gegen den Nationalsozialismus nicht immun, sondern ihm eben teilweise auch zugetan war. Es ist interessant zu lesen, wie unappetitlich für eine Konservative wie Fussenegger die Unterstützung des Ständestaates durch die Katholische Kirche war. Gleichzeitig ist ihre Sicht des Katholizismus bemerkenswert, wenn sie schreibt: „Von allen Ordnungsmächten der Welt kam uns die katholische Kirche als die geeignetste vor, das Chaos zu steuern.““

>> Den gesamten Text und die anderen zu diesem Thema gibt es >> hier.

Iran? DORT soll das Paradies liegen?

Heute mal einfach ein Link, der mir ein bisschen die Sprache verschlagen hat. Weniger, weil dort alles super wäre – sondern weil es zeigt, mit welchem Nicht-Wissen wir an die Dinge herangehen.

Gefunden hab ich die Story >> hier.
Kommen tut sie aus >> dieser Quelle.

Räumt ein bissl was vom europäisch-amerikanischen Hochmut runter.

Zum Tag der Arbeit: Bedingungslosigkeit beim Grundeinkommen?

Der amerikanisch-österreichische Arbeitsphilosoph >> Frithjof Bergmann hat ein dreibeiniges Modell für „Neue Arbeit“ entwickelt: ein Drittel „klassische“ Erwerbsarbeit, ein Drittel „tun, was man wirklich, wirklich will“ und ein Drittel „Selbstversorgung auf hohem technologischen Niveau“.

>> Mehr über das Buch gibt es HIER zu lesen!

Beim bedingungslosen Grundeinkommen hat er wegen des abschreckenden Beispiels US-amerikanischer Indianerreservate Bedenken.

Ich teile diese Bedenken nicht. Ich glaube, sein Modell und das gut durchdachte „bedingungslose Grundeinkommen“, auf das ich in >> diesem Posting hingewiesen habe, gehen sogar sehr gut zusammen, und zwar so:

  1. Das Bedingungslose Grundeinkommen kann jenes Drittel abdecken, das Bergmann „Arbeit, die man wirklich, wirklich will“ nennt.
  2. Darüber hinaus würde ich einen zu errechnenden Betrag für gesellschaftlich wichtige Tätigkeiten einplanen, die nicht zwingend „Arbeit“ heißen müssen – aber das ist eine reine Wording-Sache. (Gemeint sind damit Erziehung, Betreuung etc.)
  3. Alles, was darüber hinausgeht – und das ist dann vor allem die „klassische Erwerbsarbeit“ – sollte freiwillig darüber hinausgehen und daher den gewünschten höheren Lebensstandard bestimmen. Dort würden dann auch die erhöhten Konsumsteuern voll wirken – und demgegenüber die höhere Bezahlung.

Geldof über London-Riots: „Schau, dass du ein blaues Auto kriegst“

Sir Bob Geldof im profil über die Lebensjahrzehnte, die konsumgetriebenen Riots in London und die Tatsache, dass sich einfach NIEMAND auskennt.

Zum gesamten Interview >>

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