Anti-Islamismus, Anti-Semitismus und der aufrichtige Gang

vorfahren-von-affe-und-mensch-kamen-aus-asien-17882Ich glaube, ich habe gerade etwas verstanden.

Der verstorbene Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz sagte in einem fast 15 Jahre alten, eben anlässlich seines Todes wiederholten Interview auf Ö1 zu Peter Huemer, dass alle antisemitisch eingestellten Menschen Auschwitz wollen.

Huemer fragte noch einmal vorsichtig nach, ob man nicht einfach gegen Dinge sein könnte, die Juden machen, oder deren Einfluss zurück drängen wollen könne, ohne deren Vernichtung zu wollen.

Kertesz blieb dabei: wer antisemitisch ist, WILL Auschwitz.

Ich kenne das aus Diskussionen mit Jüdinnen und Juden, die jede Kritik an Aktionen des israelischen Staates kategorisch als Antisemitismus bezeichnen. Zusammen gerechnet: Wer gegen die Errichtung einer israelischen Siedlung im Westjordanland ist, will Auschwitz (auch wohl, wenn er israelischer Staatsbürger und Siedlungsgegner ist?)

Huemer fragte nicht mehr nach.

Vor ein paar Tagen lief im ORF-TV in der Sendereihe „Kreuz und Quer“ die Dokumentation „Gekommen und geblieben“. Thema waren als Flüchtlinge und Immigranten gekommene Menschen und ihre Sicht auf Flüchtlinge und die damit verbundene Problematik heute – eine ausgezeichnete Dokumentation im übrigen, derzeit noch in der ORF TV-Thek und hoffentlich auch mal auf YouTube.

Unter anderem traten in der Doku zwei muslimische Männer Mitte 20 auf, die sinngemäß sagten: Die Österreicher trauen sich nicht differenziert zu denken und auch kritisch gegen Einwanderer und Flüchtlinge zu sein, weil sie Angst haben, sofort als Nazis bezeichnet zu werden. Sie selber hätten daher immer wieder Schwierigkeiten zu verstehen, was Österreicher denken.

Und jetzt glaube ich zu verstehen, warum mir gerade bei jeder sich bietenden Gelegenheit pauschal negative Einstellung zum Islam, Nähe zum Rechtsextremismus etc. vorgeworfen wird, ohne dass man sich mit dem Inhalt der Dinge, mit den gestellten Fragen überhaupt beschäftigen will.

Viele von uns haben – so glaube ich – noch immer einen schweren Knacks aus der Zeit der Judenverfolgung und können daher mit mutigem und differenzierten Denken sehr schwer umgehen. Wer einen Zipfel von Anderssein zeigt oder fragt, ob man Dinge nicht vielleicht auch anders sehen kann, wird sofort verdammt, ihm die Seriosität als Diskussionspartner abgesprochen etc.

Das ist traurig, aber wahr und wirklich.

Ich weiß jetzt auch keine Lösung, denn an sich verstehe ich, dass sich solche Prägungen und Traumata über Generationen halten.

Ich hoffe, das wächst sich aus, ohne dass wir vergessen, was damals passiert ist und vergessen, dass furchtbare Dinge oft im kleinen beginnen. Aber gestern musste sich ja sogar die mehr als integre Präsidentschaftskandidaten Irmgard Griss in der ZIB2 der Frage stellen, ob sie nicht verstehen würde, dass sich Menschen beleidigt und in ihren Gefühlen verletzt fühlen, wenn sie (Griss) sagen würde: die Nazi-Diktatur hat auch nicht von ihren ersten Schritten an ihr wahres Gesicht gezeigt.

Wir sollten aufrechter gehen.

Nicht protzig, nicht selbstgefällig. Aber aufrecht.

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