Er kommt leise – immer wieder

Elija in der Höhle am Berg Horeb

Elija in der Höhle am Berg Horeb

Welche wunderbaren Überraschungen hält unser Glaube immer wieder bereit, wenn wir gar nicht damit rechnen!

Taufe des Herrn – das klingt ziemlich sperrig, alt, ein bisschen fremd, pathetisch auch. Johannes tauft die Bekehrungswilligen, die vielleicht auf Nummer Sicher gehen und denken: kann auf keinen Fall schaden. Da kommt Jesus und will sich auch taufen lassen. Johannes zögert, weil er ihn erkennt, tut es dann aber doch. Und dann reißt der Himmel auf und von oben kommt das klare Zeichen: DER ist es!

Zwei Predigten/Essays zum Thema haben mein Bild vertieft und mich wieder zu einem dritten geführt – zu einem Motiv, das ich über alles liebe.

Zuerst die Vorabendmesse am Samstag (ausnahmsweise die Vorabendmesse, aus persönlichen Gründen) und die Predigt unseres Pfarrers. Der Grundgedanke: Gott lässt wie in einem Gewitter mit einem ganz hellen Blitz klar in einem Augenblick erkennen: dieser hier ist mein Sohn. Und das Motiv, dass Jesus sich nicht selber legitimiert, sich nicht selbst offenbart und empor geschwungen hat, sondern dass Gott Vater auf ihn gezeigt hat.

Allein das schon ein schöner Gedanke – und Sonntag früh wurde dieser in der Ö1-Sendung „Erfüllte Zeit“ durch den Seelsorger und Theologen Markus Schlagnitweit noch übertroffen.

Dieser zieht nämlich eine Parallele zum Weihnachtsfest – dazu, wie Gott ganz leise und klein Mensch geworden ist und es mit der Taufe noch einmal wird, weil er sich einfach einreiht unter die anderen.

„Gott erscheint in unserer Welt, aber nicht groß und mächtig, nicht als einer, der auftrumpft und endlich alles so richtet, wie es unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde entspricht, nicht als gewaltiger Prophet oder unbesiegbarer Terminator. – Nein: Zu Weihnachten erscheint Gott in der Nacktheit, Abhängigkeit und Ohnmacht eines Kindes. Die Erzählung von der Taufe Jesu zeigt Gott als einen, der sich hinten anstellt und einreiht in der Schar der vielen. Gott wird einer von uns.“

Schlagnitweit erzählt auch von der Enttäuschung, weil die Juden mit einem donnernden und polternden Messias gerechnet hatten und Johannes der Täufer da viel besser gepasst hätte. Was daraus am Ende wird, wissen wir.

Mich erinnert diese Szene aber an noch etwas: an den Propheten Elija, der nach seinem donnernden Showdown gegen die Baalsgläubigen samt Blutbad unter deren Propheten 40 Tage durch die Wüste flüchtete, kraftlos sterben wollte und dann aufgerichtet wurde, um am Berg Horeb schließlich zu lernen: Gott ist nicht im Feuer, nicht im Erdbeben, nicht im Sturm, sondern: im leisen Säuseln. (1 Kön 19,9-13)

Schlagnitweits Schluss aber ist wenig hinzu zu fügen:

„Wenn aber Christsein bedeutet, in Jesu Spuren zu gehen, dann heißt das: Christsein verlangt kein Heldentum. Christsein bedeutet zuerst: Das ganze Menschsein annehmen und lieben. Nicht über- oder gar unmenschlichen Idealen von Stärke, Perfektion, Leistung u. dgl. nacheifern, sondern auch das Andere annehmen und lieben und ihm damit Würde und Heilung zusprechen: dem Schwachen, dem Kranken und Fehlerhaften – ja, gerade auch dem Enttäuschenden der eigenen Existenz. All das gehört – aufrichtig betrachtet – eben auch zum Menschsein. Und das Taufwort aus dem Himmel gilt nicht nur Jesus, sondern allen Getauften: „Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Gefallen gefunden.“

> hier geht es zum gesamten Text von Markus Schlagnitweit <

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