Brücken statt Waffen – die Homosexuellen und die Kirche

queerAuf Facebook ist anlässlich eines Artikels in einer Homosexuellen-Zeitschrift über die Versuche der Irischen Kirche, gegen die Homo-Ehe zu argumentieren, eine Debatte ausgebrochen.
(ich verlinke den Artikel hier, obwohl ich das zugrunde liegende Dokument der Irischen Kirche nicht gefunden habe und mir die Zitate mir sehr dünn und zusammenhanglos vorkommen)
Eine Diskutantin schrieb:
„Das Gemeinwohl existiert also nicht mehr, wenn gleichgeschlechliche Ehen erlaubt werden und an der Tagesordnung stehen?! oO Wenn Homosexuelle heiraten dürften, würden heterosexuelle Eltern nicht mehr als „Grundlage der Gesellschaft“ angesehen, so die Kirche weiter. 
Die Hetero-Ehe, die „die Liebe Christi für uns“ reflektiere und für die 
der Gottessohn am Kreuz gestorben sei, sei damit nicht mehr 
„einzigartig“ und würde entwertet.Wieso bitte, sind „Hetero-Eltern“, dann keine „Grundlage der Gesellschaft“ mehr?! So ein absoluter Schwachsinn! 
Und wie zur Hölle (frech grinsend schmunzel) kommen die auf die absolut hirnrissige Idee, dass eine „Hetero-Ehe“, die Liebe Christi für uns reflektiert?! oO Soweit ich weis, hat Jesus alle Menschen gleich geliebt! Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus homosexuelle Paare an den Pranger stellen würde?! Wohl kaum! 
Und es ist mir auch wirklich neu, dass Jesus am Kreuz dafür starb! Jesus wurde gekreuzigt, weil Judas ihn verraten hat und es leider auch schon damals, einfach nur widerliche „Menschen“ gab! Aber gewiss nicht, um damit gegen Homosexualität eine Aussage zu tätigen, diese abzuwerten oder etwas dergleichen…“

Ich möchte dazu ein paar Gedanken schreiben – und vorweg sagen, DASS ES MIR DARUM GEHT, DEN DIALOG UND DEN RESPEKT ZWISCHEN HOMOSEXUELLENBEWEGUNGEN UND KIRCHE AUFRECHT ZU ERHALTEN bzw. im Idealfall zu fördern. Ich bin kein Geistlicher und hab auch keinen Stahlhelm – einfach ein Kirchenbürger („Laie“, mir gefällt „Amateur“ besser, da steckt die Liebe drin), der im Hier und Heute lebt und – so glaube ich – durchaus open-minded ist.
1) Dass die Ehe zwischen Mann und Frau ein grundsätzlicher Baustein der Gesellschaft ist und einen sehr wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl leistet – das kann ja nicht das Problem sein, das anzuerkennen?
2) den Umkehrschluss im darauf folgenden Satz sehe ich so nirgends und er vergiftet nur das Klima.
3) die „drohende Entwertung“ sehe ich ebenfalls als problematisch – aber das ist nun mal ein Standpunkt, den man haben kann. Die Kirche kämpft nun mal einen Kampf für die christliche Ehe und Familie und will sie nicht als eine gleichwertige Form unter allen möglichen gesehen haben.
Das heißt aber – und das ist wichtig – nicht (und schon lange nicht mehr), dass die Kirche Homosexualität als solche nicht anerkennt und sie als Sünde bezeichnet. Das stimmt einfach nicht. Das stimmte übrigens schon 1993 nicht (bin da auf einen Link gestoßen, als ich das „Pamphlet“ finden wollte, das queer.de inkriminiert. Ich les immer gern die Dokumente selber, nicht was eine Zeitschrift draus machet —- bin selber Journalist)
(Anmerkung: Papst Franziskus spricht ausdrücklich davon, dass Homosexuelle einen wertvollen Beitrag leisten können und dass sie Gott mit Liebe anschaut)
4) die Hetero-Ehe als Reflexion der Liebe Christi ist eine theologische Geschichte, die davon ausgeht, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen und mit „seid fruchtbar und mehret euch“ beauftragt hat.
5) Und wieder ist es eine Engführung/Verdrehung, die hier Schaden anrichtet: nirgends steht, dass NUR die Hetero-Ehe die Liebe Christi reflektiert.
Und du hast völlig Recht: Jesus hat alle Menschen gleich geliebt. Schade ist wirklich, dass kein Gleichnis zu Homosexuellen überliefert ist – wir haben nur das mit der Ehebrecherin, der er zuerst mal das Leben gerettet hat, dann die Gesetzeslehrer (Pharisäer) mit einer Lektion heim geschickt und der er schließlich gesagt hat: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr.“
Was es auch nicht gibt, ist ein Gebot gegen die Homosexualität, die betreffenden Passagen finden sich nur relativ klein irgendwo verstreut im Alten Testament. Wir wissen nicht, ob die Homosexualität einfach kein Thema war und wenn ja, warum.
6) dass Jesus nur am Kreuz gestorben ist, weil es den schlechte Judas gab, ist ein bisschen kurz gegriffen  
MEIN FAZIT:
Der Kirche geht es darum, die christliche Ehe aufzuwerten und ihre Wichtigkeit zu betonen. Da macht sie Stimmung gegen alles, was daran kratzt. Das gelingt mal besser, mal weniger gut. Aber gerade im jetzt laufenden Prozess der Ehe-und-Familien-Synode passiert Wichtiges zur Klärung und zur Anerkennung, wenn eben auch nicht Gleichstellung in JEDER Hinsicht.
Es ist immer ein schmaler Grat zwischen unterschiedlichen Standpunkten und Diskriminierung – aber ich glaub, es wär gut, die positiven Signale und Einzelfälle anzusehen und ihnen Luft zum Atmen zu geben.
Ein letztes Beispiel dazu: Vor 2 Jahren gab es in Österreich den Fall eines „irrtümlich gewählten“ homosexuellen Pfarrgemeinderats mit Riesenstreiterei auch in der breiteren Öffentlichkeit, ob man jetzt die ganze Wahl wiederholen müsste oder einfach den Homosexuellen aus der Funktion entfernen und jemanden nachrücken lassen soll oder ob er bleiben kann. Mehr dazu HIER
Der österreichische Kardinal Christoph Schönborn fuhr selber in das kleine Dorf, besuchte den Mann und sagte danach sinngemäß: Er sei beeindruckt von der Art und Weise, wie dieser Mann den Glauben lebt und natürlich bleibt er. Und dann ging’s los: sofort prasselten Fragen und Forderungen auf Schönborn ein, ob und dass das jetzt hieße, dass die Kirchenämter für Homosexuelle geöffnet seien? Schönborn verneinte das natürlich (könnte er ja aus mehreren Gründen nicht bejahen) und wurde öffentlich geprügelt.
Dass aus Gutem nicht Böses wird – dafür sollten wir arbeiten.
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