Die zwei Seiten des Fastens

Ich habe mich von Aschermittwoch bis Ostersonntag 2017 von Facebook fern gehalten – und das sind meine Gedanken nach diesen sechs Wochen:

Als ich meinen Beschluss bekannt gemacht hatte, gab es viel Zustimmung, aber auch leise Kritik: der eigentliche Sinn des Fastens wäre doch, auf etwas zu verzichten und das Ersparte dann Bedürftigen/Armen zu spenden. Meine Antwort damals war doppelt: zum einen hätte Jesus Christus beim 40-tägigen Fasten in der Wüste dann auch nichts den Armen gespendet – zum anderen wäre das vielleicht genau der Schlüssel:

Ich habe viel Aufmerksamkeit gespart, auch einiges an Zeit vermutlich – und ich denke, es war ein großer Schritt vorwärts. Aber – auch das muss gesagt werden – es fehlt schon auch etwas.

Was fehlt, ist weniger dieses ständige Informiertwerden darüber, was andere gerade denken, schreiben, lesen, worüber sie sich freuen oder ärgern. Was fehlt, ist auch nur zum Teil der Informationsstrom gesellschaftlich-politisch-spiritueller Art. Da merkt man dann schon, dass man mit VIEL weniger auskommt, ohne dass einem langweilig wird oder der Stoff ausgeht.

Was aber wirklich fehlt, sind Informationen über Veranstaltungen und Vorhaben – die bekommt man dann einfach im Grunde nicht. Und ohne Facebook wäre in den letzten Monaten einiges nicht auf dem Radar gewesen – und da war sehr Wichtiges dabei.

Jetzt wird es darum gehen, mich innerlich einzustellen und meine Wahrnehmung anders zu kalibrieren.

Experiment gelungen!

Das Kreuz und die Säkularisten

Eigentlich müsste es bekennenden Christen (zu denen ich mich bekanntlich zähle) ja gleichgültig sein, ob das Kreuz in Klassenzimmern hängt.
Wichtig ist, ob der Glaube in den Herzen ist.
Haben wir Angst, dass er durch das Abhängen noch mehr von den Säkularisten (vergleichbar den Islamisten) zurück gedrängt wird? 
Das wird vielleicht so sein und natürlich tut es weh, wenn man demontiert wird (auch mir, versteht mich nicht falsch). Aber vielleicht braucht es genau das, dass wir nichts mehr zu verteidigen haben, damit wir neu aktiv werden können, müssen.
Vielleicht wird es dann freier, wenn Säkularisten nicht immer die alte Mär von der Kreuzfahrer-Schuld-Schmerzkirche trommeln müssen, weil sie das Kreuz endlich weg haben wollen.
Verkündigung statt Kulturkampf tut Not.
Fürchtet euch nicht!

Wiederverheiratet: die Oster-Botschaft und ihre Folgen

Der Bischof von Passau, Stefan Oster, hat kürzlich auf seinem Blog und auch als Facebook-Posting einen Artikel veröffentlicht, der mich zuerst irritiert hat. Dann aber hat er zu einem sehr spannenden Nachdenk- und Diskussionsprozess geführt.

Hier der Link zu Bischof Osters Artikel: https://stefan-oster.de/geschieden-und-wieder-verheiratet-ein-sehr-persoenliches-zeugnis-ueber-einen-beschwerlichen-weg-in-der-kirche/

Für mich war irritierend/frappierend, dass der Bischof es umkommentiert ließ, dass die betreffende Frau für sich zum Schluss gekommen war, auf das Sakrament der Eucharistie, also die Kommunion, zu verzichten.

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In der Diskussion ging es dann um alles mögliche – natürlich darum, dass Hierarchievertreter wie der Bischof nur Glaubensvollzugsbeamte wären etc. etc., aber auch darum, dass es eben mal so wäre, dass man sich dann der Sexualität zu enthalten habe.

Dann war auch noch die Frage: warum lässt sich ein Bischof darauf ein, diskutierbar zu werden – und warum diskutieren die Menschen seine Meinung wie die eines ganz normalen Gläubigen? Und die Antwort auf diese Frage ist ja nur im ersten Hinsehen banal, glaube ich (vor allem nach einer langen und sehr interessanten Diskussion mit meiner Frau dazu).

Ich wurde dann gefragt, was ICH eigentlich zu der Situation denke – und hier ist meine Antwort:

1) Die verbreitete Lehre der Amtskirche ist, dass es drei Möglichkeiten gibt, um da raus zu kommen: a) die sogenannte Josefs-Ehe – also zusammenleben wie Bruder und Schwester. b) die Annullierung der bestehenden/vorherigen Ehe. Oder c) die Wiederaufnahme der ersten Ehe.
Papst Franziskus hat auf jeden Fall den zweiten Weg – Annullierung – wesentlich vereinfacht. Wahrscheinlich wird es, wenn man genau genug nachforscht und richtig fragt, immer möglich sein, eine Ehe annullieren zu lassen.

Aber was tun, wenn man das zB wegen Kindern nicht will? Oder wenn man im Tiefsten weiß: man hat das alles wirklich so gemeint und verstanden, als man kirchlich geheiratet hat – aber dann ist etwas passiert?

Für mich persönlich ist es dann immer noch ein riesiger Unterschied, ob man selber gegangen ist oder ob man raus geworfen wurde. Den Unterschied macht die Amtskirche offenbar nicht, weil ihn auch Jesus offenbar nicht macht. Schwierige Sache und da weiß ich auch keine Antwort.

Und dann gibt es den vierten Weg, den im übrigen schon Benedikt XVI. angedeutet hat: dass es in Einzelfällen unter der Begleitung eines erfahrenen Seelsorgers möglich ist, wieder in den „Stand der Gnade“ zu gelangen.

Die Diözese Rom (also dort, wo der Papst Bischof ist) hat da erst vor wenigen Tagen einen Schritt gesetzt: http://religion.orf.at/stories/2818664/

Hier entscheidende Passagen daraus:
„Eine Zulassung zu dem Sakrament soll in der Diözese Rom dann möglich sein, wenn eine Nichtigkeitserklärung der ersten Ehe durch ein kirchliches Gericht nicht möglich ist. Dies ist zuvor durch das Gericht zu klären.

Der zuständige Pfarrer soll die betreffenden Paare nach dem Willen Vallinis zunächst dazu ermutigen, die Gültigkeit ihrer Ehe von einem Gericht klären zu lassen. Sollte sich ein Prozess als undurchführbar erweisen, sei die seelsorgerische Initiative des Pfarrers nötig. Sie müsse dem Grundsatz folgen, dass die Person vor dem Gesetz komme.

Hierbei müsse der Priester jeden Einzelfall sorgfältig prüfen und die jeweilige Situationen unterscheiden. Hierzu seien regelmäßige Gespräche mit den Betroffenen nötig, um sich der „Reife des Gewissens“ und ihrer Reue zu vergewissern.“
Und ich glaube, das ist ein guter Weg.

Und ich glaube, es wird auf diesem Weg unterschätzt, dass es auch um das Sakrament der Versöhnung geht – nur ist das nicht so öffentlichkeitswirksam!

Ergänzung: was nun, wenn der Papst und der Bischof hier unterschiedlich argumentieren sollten?
Die Frage scheint banal, ist es aber ganz und gar nicht, wie mir gestern in einem längeren Gespräch zu dem Thema mit meiner Frau klar geworden ist. Denn in der Hierarchie der Kirche schulden wir BEIDEN Gehorsam und zwar nicht aus Weil-das-halt-so-ist-Gründen, sondern weil BEIDE vom Heiligen Geist durchdrungen und beauftragt sind.

Oder ist UNSER Gehorsam gar nicht dem Papst gegenüber, sondern dem Bischof unserer Heimatdiözese? Oder unserem Pfarrer?

Anti-Islamismus, Anti-Semitismus und der aufrichtige Gang

vorfahren-von-affe-und-mensch-kamen-aus-asien-17882Ich glaube, ich habe gerade etwas verstanden.

Der verstorbene Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz sagte in einem fast 15 Jahre alten, eben anlässlich seines Todes wiederholten Interview auf Ö1 zu Peter Huemer, dass alle antisemitisch eingestellten Menschen Auschwitz wollen.

Huemer fragte noch einmal vorsichtig nach, ob man nicht einfach gegen Dinge sein könnte, die Juden machen, oder deren Einfluss zurück drängen wollen könne, ohne deren Vernichtung zu wollen.

Kertesz blieb dabei: wer antisemitisch ist, WILL Auschwitz.

Ich kenne das aus Diskussionen mit Jüdinnen und Juden, die jede Kritik an Aktionen des israelischen Staates kategorisch als Antisemitismus bezeichnen. Zusammen gerechnet: Wer gegen die Errichtung einer israelischen Siedlung im Westjordanland ist, will Auschwitz (auch wohl, wenn er israelischer Staatsbürger und Siedlungsgegner ist?)

Huemer fragte nicht mehr nach.

Vor ein paar Tagen lief im ORF-TV in der Sendereihe „Kreuz und Quer“ die Dokumentation „Gekommen und geblieben“. Thema waren als Flüchtlinge und Immigranten gekommene Menschen und ihre Sicht auf Flüchtlinge und die damit verbundene Problematik heute – eine ausgezeichnete Dokumentation im übrigen, derzeit noch in der ORF TV-Thek und hoffentlich auch mal auf YouTube.

Unter anderem traten in der Doku zwei muslimische Männer Mitte 20 auf, die sinngemäß sagten: Die Österreicher trauen sich nicht differenziert zu denken und auch kritisch gegen Einwanderer und Flüchtlinge zu sein, weil sie Angst haben, sofort als Nazis bezeichnet zu werden. Sie selber hätten daher immer wieder Schwierigkeiten zu verstehen, was Österreicher denken.

Und jetzt glaube ich zu verstehen, warum mir gerade bei jeder sich bietenden Gelegenheit pauschal negative Einstellung zum Islam, Nähe zum Rechtsextremismus etc. vorgeworfen wird, ohne dass man sich mit dem Inhalt der Dinge, mit den gestellten Fragen überhaupt beschäftigen will.

Viele von uns haben – so glaube ich – noch immer einen schweren Knacks aus der Zeit der Judenverfolgung und können daher mit mutigem und differenzierten Denken sehr schwer umgehen. Wer einen Zipfel von Anderssein zeigt oder fragt, ob man Dinge nicht vielleicht auch anders sehen kann, wird sofort verdammt, ihm die Seriosität als Diskussionspartner abgesprochen etc.

Das ist traurig, aber wahr und wirklich.

Ich weiß jetzt auch keine Lösung, denn an sich verstehe ich, dass sich solche Prägungen und Traumata über Generationen halten.

Ich hoffe, das wächst sich aus, ohne dass wir vergessen, was damals passiert ist und vergessen, dass furchtbare Dinge oft im kleinen beginnen. Aber gestern musste sich ja sogar die mehr als integre Präsidentschaftskandidaten Irmgard Griss in der ZIB2 der Frage stellen, ob sie nicht verstehen würde, dass sich Menschen beleidigt und in ihren Gefühlen verletzt fühlen, wenn sie (Griss) sagen würde: die Nazi-Diktatur hat auch nicht von ihren ersten Schritten an ihr wahres Gesicht gezeigt.

Wir sollten aufrechter gehen.

Nicht protzig, nicht selbstgefällig. Aber aufrecht.

Passiert nicht oft, aber dann!

Hartl ungezähmt hochIch empfehle eher selten ein Buch, bevor ich es fertig gelesen habe. Dieses schon.
 
Der Gründer des Gebetshauses Augsburg, der 36-jährige mehrfache Vater Johannes Hartl, schreibt über die Selfie-Kirche, das Evangelium des Nettseins, Herzens-Götzen und die reale Heiligkeit Gottes – eben „Gott ungezähmt“, der wie das Meer ist, an das man irgendwann einmal stößt, egal in welche Richtung man geht.
 
So klar, so drängend, so poetisch, so berührend und so fordernd, dass es über das Wohltun und Wehtun hinaus geht.
Mehr über Hartl selber und seine Arbeit gibt es HIER

Facebook und das mobile Christentum

BetenEin Gedankenspiel nach einer Radio-Nachrichtenmeldung:
facebook hat – so die Zahlen 2015 – 1,6 Milliarden Nutzer weltweit, wobei 90% der Zugriffe über mobile Geräte passieren.
Weltweit gibt es ca. 1,5 Milliarden katholische Christen – der mobile Zugriff wäre da wohl das Gebet und Handeln, stationär der Messbesuch und ähnliche Rituale. Ich glaub (hoffe), weit über 90% mobil!!!!!

Er kommt leise – immer wieder

Elija in der Höhle am Berg Horeb

Elija in der Höhle am Berg Horeb

Welche wunderbaren Überraschungen hält unser Glaube immer wieder bereit, wenn wir gar nicht damit rechnen!

Taufe des Herrn – das klingt ziemlich sperrig, alt, ein bisschen fremd, pathetisch auch. Johannes tauft die Bekehrungswilligen, die vielleicht auf Nummer Sicher gehen und denken: kann auf keinen Fall schaden. Da kommt Jesus und will sich auch taufen lassen. Johannes zögert, weil er ihn erkennt, tut es dann aber doch. Und dann reißt der Himmel auf und von oben kommt das klare Zeichen: DER ist es!

Zwei Predigten/Essays zum Thema haben mein Bild vertieft und mich wieder zu einem dritten geführt – zu einem Motiv, das ich über alles liebe.

Zuerst die Vorabendmesse am Samstag (ausnahmsweise die Vorabendmesse, aus persönlichen Gründen) und die Predigt unseres Pfarrers. Der Grundgedanke: Gott lässt wie in einem Gewitter mit einem ganz hellen Blitz klar in einem Augenblick erkennen: dieser hier ist mein Sohn. Und das Motiv, dass Jesus sich nicht selber legitimiert, sich nicht selbst offenbart und empor geschwungen hat, sondern dass Gott Vater auf ihn gezeigt hat.

Allein das schon ein schöner Gedanke – und Sonntag früh wurde dieser in der Ö1-Sendung „Erfüllte Zeit“ durch den Seelsorger und Theologen Markus Schlagnitweit noch übertroffen.

Dieser zieht nämlich eine Parallele zum Weihnachtsfest – dazu, wie Gott ganz leise und klein Mensch geworden ist und es mit der Taufe noch einmal wird, weil er sich einfach einreiht unter die anderen.

„Gott erscheint in unserer Welt, aber nicht groß und mächtig, nicht als einer, der auftrumpft und endlich alles so richtet, wie es unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde entspricht, nicht als gewaltiger Prophet oder unbesiegbarer Terminator. – Nein: Zu Weihnachten erscheint Gott in der Nacktheit, Abhängigkeit und Ohnmacht eines Kindes. Die Erzählung von der Taufe Jesu zeigt Gott als einen, der sich hinten anstellt und einreiht in der Schar der vielen. Gott wird einer von uns.“

Schlagnitweit erzählt auch von der Enttäuschung, weil die Juden mit einem donnernden und polternden Messias gerechnet hatten und Johannes der Täufer da viel besser gepasst hätte. Was daraus am Ende wird, wissen wir.

Mich erinnert diese Szene aber an noch etwas: an den Propheten Elija, der nach seinem donnernden Showdown gegen die Baalsgläubigen samt Blutbad unter deren Propheten 40 Tage durch die Wüste flüchtete, kraftlos sterben wollte und dann aufgerichtet wurde, um am Berg Horeb schließlich zu lernen: Gott ist nicht im Feuer, nicht im Erdbeben, nicht im Sturm, sondern: im leisen Säuseln. (1 Kön 19,9-13)

Schlagnitweits Schluss aber ist wenig hinzu zu fügen:

„Wenn aber Christsein bedeutet, in Jesu Spuren zu gehen, dann heißt das: Christsein verlangt kein Heldentum. Christsein bedeutet zuerst: Das ganze Menschsein annehmen und lieben. Nicht über- oder gar unmenschlichen Idealen von Stärke, Perfektion, Leistung u. dgl. nacheifern, sondern auch das Andere annehmen und lieben und ihm damit Würde und Heilung zusprechen: dem Schwachen, dem Kranken und Fehlerhaften – ja, gerade auch dem Enttäuschenden der eigenen Existenz. All das gehört – aufrichtig betrachtet – eben auch zum Menschsein. Und das Taufwort aus dem Himmel gilt nicht nur Jesus, sondern allen Getauften: „Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Gefallen gefunden.“

> hier geht es zum gesamten Text von Markus Schlagnitweit <

Die Drohne als Wille und Vorstellung

Der Drohnenabsturz knapp hinter dem vierfachen Skiweltcupsieger Marcel Hirscher erinnert mich an die Wahrheit hinter einer immer mehr verpönten Lebenseinstellung.

Drohne stürzt hinter Harscher beim Slalom in Madonna di campiglio 2015Er hätte tot sein können. Wahrscheinlich wäre er tot gewesen.
Warum hat eigentlich niemand diese Worte verwendet? Warum steht in den Headlines in verniedlichenden Anführungszeichen: Hirscher entgeht „Katastrophe“?

Ich meine: Die Anführungszeichen kommen nicht, weil der Tod eines Top-Sportlers weltpolitisch und vor dem Hintergrund von Flüchtlingsströmen und Massentod im Meer oder sonstwo auf dem Weg nicht als Katastrophe durchgeht. Der Grund ist, dass man nicht wahr haben will, was da passiert ist und wofür es steht.

Ach so – das mit dem Fliegen mit Drohnen ist in Österreich ohnedies nicht erlaubt und in Italien (interessant, dass der Skiort des Geschehens Madonna di Campiglio heißt, auf deutsch veraltet Sankt Maria im Pein) auch eigentlich nicht über Menschen?

Ja genau.

Eigentlich ist das Gesetz und war ja auch die Abmachung vor Ort ganz klar: kein Fliegen über Menschen und schon gar nicht über der Spur der Rennläufer.

Nur: Direkt verantwortlich für den Einsatz war der TV-Rechteinhaber Innfront – und der hat die Aktion entweder sogar angeordnet („Und wenn dann keiner mehr genau schaut, dann fliegst ein bissl näher, gibt bessere Bilder“ oder so) oder nicht genügend kontrolliert.

Ja, und so läuft das.

Und so kann das nur dort laufen, wo das Drohnenfliegen nicht komplett verboten ist.

Es geht immer wieder um ein Umfeld, das geschaffen wird und in dem dann eh Sicherheitsbestimmungen eingezogen sind und alles mögliche – und dennoch passieren dann Dinge, die niemals passieren dürften.

Und so – und das ist der Punkt, den ich machen will – ist es auch mit gar nicht so wenigen Gesetzen und Regelungen, die unter dem Deckmäntelchen des Fortschritts oder des längst nötigen Nachziehens oder der Anpassung an die heutige Realität gemacht werden.

Ich selber denke da an das österreichische Fortpflanzungsgesetz, dessen Beschluss vor fast einem Jahr letztlich genau damit argumentiert wurde, dass es ein längst nötiges und logisches Nachziehen ist und dass ohnedies genaue Regelungen und Überprüfungen vorgesehen sind. Und niemand weiß, ob damit nicht übelster Geschäftemacherei Tür und Tor geöffnet sind (bzw. wird das mit einem Achselzucken abgetan, dass so was halt immer passiert und die Schurken immer einen Weg finden) – und schon gar niemand weiß, welche gesellschaftlichen und menschlichen Folgen dieser Pfad hat.
Aber man kann da auch an viel profanere Dinge denken wie Geldmarktderegulierungen, Billigstbieterprinzipien etc.

Klingt nach „Wehret den Anfängen“ und das ist es auch ein bisschen, zugegeben – aber es ist mehr.

Was es in Wahrheit ist: Der Mensch muss wohl mal einsehen, dass sein Verstand ein sehr, sehr scharfes Werkzeug ist, das im Laufe der Geschichte immer schärfer wird und das wir für Gutes und Böses einsetzen können. Noch deutlicher: Wir haben gar nicht die Wahl, dieses Werkzeug in immer anwachsender Schärfe einzusetzen.

Aber wir brauchen mit zunehmender Schärfe des Verstandes zunehmend mehr einen Bezugspunkt, der uns Perspektive gibt und uns in einem Bereich hält, der das Leben fördert und es nicht opfert auf dem Altar von Geld, Ruhm und Macht.

Ich nenne diesen Bezugspunkt Gott.

Sie können ihn natürlich auch anders nennen – aber: bitte keine Drohnen. Nie und nirgends.

 

Brücken statt Waffen – die Homosexuellen und die Kirche

queerAuf Facebook ist anlässlich eines Artikels in einer Homosexuellen-Zeitschrift über die Versuche der Irischen Kirche, gegen die Homo-Ehe zu argumentieren, eine Debatte ausgebrochen.
(ich verlinke den Artikel hier, obwohl ich das zugrunde liegende Dokument der Irischen Kirche nicht gefunden habe und mir die Zitate mir sehr dünn und zusammenhanglos vorkommen)
Eine Diskutantin schrieb:
„Das Gemeinwohl existiert also nicht mehr, wenn gleichgeschlechliche Ehen erlaubt werden und an der Tagesordnung stehen?! oO Wenn Homosexuelle heiraten dürften, würden heterosexuelle Eltern nicht mehr als „Grundlage der Gesellschaft“ angesehen, so die Kirche weiter. 
Die Hetero-Ehe, die „die Liebe Christi für uns“ reflektiere und für die 
der Gottessohn am Kreuz gestorben sei, sei damit nicht mehr 
„einzigartig“ und würde entwertet.Wieso bitte, sind „Hetero-Eltern“, dann keine „Grundlage der Gesellschaft“ mehr?! So ein absoluter Schwachsinn! 
Und wie zur Hölle (frech grinsend schmunzel) kommen die auf die absolut hirnrissige Idee, dass eine „Hetero-Ehe“, die Liebe Christi für uns reflektiert?! oO Soweit ich weis, hat Jesus alle Menschen gleich geliebt! Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus homosexuelle Paare an den Pranger stellen würde?! Wohl kaum! 
Und es ist mir auch wirklich neu, dass Jesus am Kreuz dafür starb! Jesus wurde gekreuzigt, weil Judas ihn verraten hat und es leider auch schon damals, einfach nur widerliche „Menschen“ gab! Aber gewiss nicht, um damit gegen Homosexualität eine Aussage zu tätigen, diese abzuwerten oder etwas dergleichen…“

Ich möchte dazu ein paar Gedanken schreiben – und vorweg sagen, DASS ES MIR DARUM GEHT, DEN DIALOG UND DEN RESPEKT ZWISCHEN HOMOSEXUELLENBEWEGUNGEN UND KIRCHE AUFRECHT ZU ERHALTEN bzw. im Idealfall zu fördern. Ich bin kein Geistlicher und hab auch keinen Stahlhelm – einfach ein Kirchenbürger („Laie“, mir gefällt „Amateur“ besser, da steckt die Liebe drin), der im Hier und Heute lebt und – so glaube ich – durchaus open-minded ist.
1) Dass die Ehe zwischen Mann und Frau ein grundsätzlicher Baustein der Gesellschaft ist und einen sehr wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl leistet – das kann ja nicht das Problem sein, das anzuerkennen?
2) den Umkehrschluss im darauf folgenden Satz sehe ich so nirgends und er vergiftet nur das Klima.
3) die „drohende Entwertung“ sehe ich ebenfalls als problematisch – aber das ist nun mal ein Standpunkt, den man haben kann. Die Kirche kämpft nun mal einen Kampf für die christliche Ehe und Familie und will sie nicht als eine gleichwertige Form unter allen möglichen gesehen haben.
Das heißt aber – und das ist wichtig – nicht (und schon lange nicht mehr), dass die Kirche Homosexualität als solche nicht anerkennt und sie als Sünde bezeichnet. Das stimmt einfach nicht. Das stimmte übrigens schon 1993 nicht (bin da auf einen Link gestoßen, als ich das „Pamphlet“ finden wollte, das queer.de inkriminiert. Ich les immer gern die Dokumente selber, nicht was eine Zeitschrift draus machet —- bin selber Journalist)
(Anmerkung: Papst Franziskus spricht ausdrücklich davon, dass Homosexuelle einen wertvollen Beitrag leisten können und dass sie Gott mit Liebe anschaut)
4) die Hetero-Ehe als Reflexion der Liebe Christi ist eine theologische Geschichte, die davon ausgeht, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen und mit „seid fruchtbar und mehret euch“ beauftragt hat.
5) Und wieder ist es eine Engführung/Verdrehung, die hier Schaden anrichtet: nirgends steht, dass NUR die Hetero-Ehe die Liebe Christi reflektiert.
Und du hast völlig Recht: Jesus hat alle Menschen gleich geliebt. Schade ist wirklich, dass kein Gleichnis zu Homosexuellen überliefert ist – wir haben nur das mit der Ehebrecherin, der er zuerst mal das Leben gerettet hat, dann die Gesetzeslehrer (Pharisäer) mit einer Lektion heim geschickt und der er schließlich gesagt hat: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr.“
Was es auch nicht gibt, ist ein Gebot gegen die Homosexualität, die betreffenden Passagen finden sich nur relativ klein irgendwo verstreut im Alten Testament. Wir wissen nicht, ob die Homosexualität einfach kein Thema war und wenn ja, warum.
6) dass Jesus nur am Kreuz gestorben ist, weil es den schlechte Judas gab, ist ein bisschen kurz gegriffen  
MEIN FAZIT:
Der Kirche geht es darum, die christliche Ehe aufzuwerten und ihre Wichtigkeit zu betonen. Da macht sie Stimmung gegen alles, was daran kratzt. Das gelingt mal besser, mal weniger gut. Aber gerade im jetzt laufenden Prozess der Ehe-und-Familien-Synode passiert Wichtiges zur Klärung und zur Anerkennung, wenn eben auch nicht Gleichstellung in JEDER Hinsicht.
Es ist immer ein schmaler Grat zwischen unterschiedlichen Standpunkten und Diskriminierung – aber ich glaub, es wär gut, die positiven Signale und Einzelfälle anzusehen und ihnen Luft zum Atmen zu geben.
Ein letztes Beispiel dazu: Vor 2 Jahren gab es in Österreich den Fall eines „irrtümlich gewählten“ homosexuellen Pfarrgemeinderats mit Riesenstreiterei auch in der breiteren Öffentlichkeit, ob man jetzt die ganze Wahl wiederholen müsste oder einfach den Homosexuellen aus der Funktion entfernen und jemanden nachrücken lassen soll oder ob er bleiben kann. Mehr dazu HIER
Der österreichische Kardinal Christoph Schönborn fuhr selber in das kleine Dorf, besuchte den Mann und sagte danach sinngemäß: Er sei beeindruckt von der Art und Weise, wie dieser Mann den Glauben lebt und natürlich bleibt er. Und dann ging’s los: sofort prasselten Fragen und Forderungen auf Schönborn ein, ob und dass das jetzt hieße, dass die Kirchenämter für Homosexuelle geöffnet seien? Schönborn verneinte das natürlich (könnte er ja aus mehreren Gründen nicht bejahen) und wurde öffentlich geprügelt.
Dass aus Gutem nicht Böses wird – dafür sollten wir arbeiten.

Fortpflanzung – alles ganz normal?

Markus Hengstschläger zur Fortpflanzungsdebatte

Markus Hengstschläger verteidigt den Entwurf – aber es gibt auch dagegen Argumente.

Was die geplante Novelle zum IVF-Gesetz mit dem Leben von Prostituierten zu tun hat.

„Erleichterung für künstliche Befruchtung: Experte lobt, Kirche dagegen“ – so einfach wie eine Zusammenfassung auf nachrichten.at kann das Leben manchmal sein. Oder doch nicht?

Neu erlaubt sollen – so die Novelle mit einer an schwarz-blaue Zeiten gemahnenden Kürzestbegutachtungsfrist bis 1.12. – sein:

Samenspende: Lesbischen und heterosexuellen Paaren soll die Erfüllung eines Kinderwunsches durch eine Samenspende und eine Befruchtung im Reagenzglas ermöglicht werden. Bisher war das nur erlaubt, wenn der Samen direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht wurde.
Eizellspende: Die Empfängerin darf nicht älter als 45, die Spenderin nicht älter als 30 Jahre sein. Die Kinder bekommen das Recht, ab 14 den Namen des Spenders zu erfahren. Das Spenden von Samen- und Eizellen darf nicht kommerziell genützt werden.
Präimplantationsdiagnostik: ein Embryo darf vor Einpflanzung in die Gebärmutter untersucht werden nach drei oder mehr erfolglosen IVF-Zyklen, drei Fehlgeburten und wenn aufgrund der genetischen Veranlagung zumindest eines Elternteils die Gefahr besteht, dass es zu einer Fehlgeburt oder schweren Erbkrankheit des Kindes kommt.

Nicht erlaubt bleiben IVF bei alleinstehenden Frauen und das sogenannte Social Freezing – das Einfrieren von Eizellen für spätere Befruchtung (meistens im Zusammenhang mit Karrieregründen)

Doch was sagt einer der wichtigsten Betreiber dazu und was kann man ihm entgegen halten?

Naturgemäß brach in der digitalen und medialen Öffentlichkeit ein Hin-und-Her los. Die Extrempunkte lieferten Homosexuellen-Initiative auf der einen und der römisch-katholische Familienbischof Klaus Küng auf der anderen Seite, sprich: schrecklicher Dammbruch für den Bischof und zu kurz gegriffen für die Homosexuellenvertreter (nach ihnen wäre es nur logisch gewesen, allein stehenden Frauen ebenfalls IVF zu ermöglichen).

Ich möchte mich hier nicht mit diesen einzelnen Argumenten auseinander setzen – die sind zum Teil ohnedies sonnenklar oder jede und jeder kann sie nachlesen.

Ich finde die Stellungnahme und Vertiefung des führenden Experten bei der Novelle, Prof. Markus Hengstschläger, am interessantesten und werde mir dazu einige Anmerkungen erlauben – und dann noch eine kleine Parallele ziehen.

Professor Hengstschläger argumentierte in einem Kurier-Interview aufs Wesentliche reduziert so:

1) Österreich zieht lediglich anderen Ländern nach.

2) Die derzeitige Situation in Österreich ist ethisch nicht vertretbar, da wir „es uns nicht leisten (können), einen Embryo, der nicht lebensfähig ist, in eine Gebärmutter einzusetzen, und einer Frau, die dadurch mehrere erfolglose IVF-Zyklen und damit hohe physische, psychische und auch ökonomische Belastungen aushalten muss, zu sagen: Ja, leider, aus ethischen Gründen dürfen wir den Embryo nicht auf seine Lebensfähigkeit untersuchen. Und wir können es uns ethisch auch nicht leisten, Paaren zu sagen: Wenn Sie Geld haben, fahren Sie ins Ausland, wenn Sie keines haben, dann haben Sie Pech gehabt. Wir können auch nicht die PID verbieten und den Spätabbruch erlauben.“

3) Die biologische Elternschaft wird überschätzt, das Ganze ist eine gesellschaftspolitische Debatte: “ Zehn Prozent aller Kinder sind nicht von dem Vater, von dem sie glauben, es zu sein. Aber für ihre Entwicklung spielt das keine Rolle. Wichtig sind die unmittelbaren Bezugspersonen.“ Und: Es „ist eine gesellschaftspolitische Debatte: Möchte ich, dass Kinder zu Beginn ihres Lebens zumindest die Chance auf zwei Elternteile haben? Das ist eine Frage des Familienbegriffs. Biologisch gesehen gäbe es natürlich kein Problem. Das Einfrieren von Eizellen für späteren Kinderwunsch führt hingegen von der Medizin weg in Richtung medizinische Dienstleistung.“

Meine Antworten dazu:

Zu Punkt 1) – Östereich zieht nur nach:
So what? Man muss ja nicht Zwentendorf bemühen und dass Österreich da auch seinen eigenen Weg gegangen ist und wir alle weiter leben (von Fukushima, Tschernobyl etc. reden wir jetzt gar nicht). „It’s the economy, stupid“, hat Bill Clinton gesagt – und was in der Wirtschaft passiert, wenn immer nachgezogen wird, sehen wir bei Steuerdumping (Stichwort Gruppenbesteuerung), Lohn- und Sozialdumping etc. grad eindrucksvoll.

Für mich ist das einfach kein Argument.

Ja, Menschen müssen dann weiter ins Ausland fahren, wenn sie das wollen. Und? Ich meine, man muss das eben nicht wollen und ein Staat kann das durchaus klar kund tun.
Auch der gern gebrachte Hinweis auf die in Österreich (wahrscheinlich, vielleicht) bessere Qualität fällt da hinein: erstens unsicher, zweitens so what, drittens haben wir es hoffentlich nicht so weit gebracht, den östereichseitigen Überhang des IVF-Tourismus gesamtwirtschaftlich zu brauchen.

Zu Punkt 2) – Die derzeitige Situation ist ethisch nicht vertretbar, also müssen wir sie ändern:
Ja, gut möglich und gut dargestellt. Aber wer sagt, dass die Änderung in DIESE Richtung gehen muss? Man könnte genau so gut die IVF generell wieder einstellen und den Spätabbruch sowieso. Zum Ausland habe ich unter Punkt 1 schon geschrieben, was zu schreiben war.

Zu Punkt 3) – Es ist eine gesellschaftspolitische Debatte und biologische Elternschaft wird überschätzt.
Ja, es ist eine gesellschaftspolitische Debatte. Die (medizinische, aber auch die generelle) Wissenschaft zieht sich dann ganz gern auf den Standpunkt zurück: Wir liefern euch nur die Erkenntnisse – ihr tut damit, was ihr wollt.
Das ist – nicht erst seit und nicht endend bei der Entwicklung der Atombombe – eine ganz schwierige Situation.

Aber noch mal: ja, es ist eine gesellschaftspolitische Sache und eine des Familienbegriffs. Und wohin sich der faktisch zu bewegen scheint, sehen wir auch alle: Patchwork, Auflösung, Freiheit, Lebensabschnitte – mit allen Konsequenzen in alle Richtungen (auch positive)

Und, aber: Ich bin zwar kein hochdekorierter Humangenetiker, aber auch kein Depp und würde mir nie im Leben einen Satz zutrauen wie: „Zehn Prozent aller Kinder sind nicht von dem Vater, von dem sie glauben, es zu sein. Aber für ihre Entwicklung spielt das keine Rolle.“

Es gibt schlicht nichts, das für die Entwicklung eines Kindes keine Rolle spielt – und man muss sich nicht mal extrem mit Familiensystemen befassen, um etwa zu wissen, welche Auswirkungen sogar ein vergessener, verdrängter Onkel etc. auf ein Familiensystem und auf das konkrete Leben jedes Menschen haben kann.

Diese Aussage ist einfach fahrlässig.

 

Der weite Querpass zur Prostitution

Zum Abschluss – sorry für die Länge – ein Querpass zu einem weit entfernt scheinenden Thema. Kürzlich geriet ich auf facebook in eine Diskussion zum Thema Prostitution. Diese speiste sich aus zwei Links:

Einem Video, das zeigt, wie normal das Leben einer Sexarbeiterin abläuft und einer Umfrage des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V., was man sagen würde, wenn man jemanden kennen lernt, der sich prostituiert. 

Der Kern der beiden Debatten war: ist Prostitution nicht eine Arbeit wie jede andere und ist es nicht besser als im Supermarkt an der Kasse zu sitzen? Und ist das normale Leben nicht eben einfach so wie gezeigt (Kaffee aus 2 Löffeln Zucker, zwei Löffeln Instant-Pulver mit heißem Wasser, zu spät in die Arbeit, dort den ganzen Tag dazwischen TV schauen und in Reisebürokatalogen blättern)?

Ich meine natürlich wenig überraschend: Nein, ist nicht dasselbe.

Zum einen, weil sexuelle körperliche Vereinigung doch etwas anderes ist als Kassieren im Supermarkt. So gefühlt generell und – und hier schließt sich der Kreis zur IVF-Debatte – weil körperliche Vereinigung (Geschlechtsverkehr) schon der Weg ist, wie wir Leben auf der Erde weiter geben. Und das alles mit einem absoluten „Ist ja egal, und wir leben alle auf einem Markt“ abzutun – das finde ich einfach sehr, sehr traurig.

Das Leben hat uns und wir haben dem Leben mehr zu bieten.